Fluggesellschaften

Lufthansa geht auf die Piloten zu

Die Trauer um die Opfer des Absturzes überschattet die Hauptversammlung

Selten ist ein deutsches Unternehmen in den letzten Jahren so aus der Bahn geworfen worden wie die Lufthansa. Der Unternehmensalltag war in den letzten Wochen stark bestimmt durch den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen. Im Vorraum des Congreß Centrum Hamburg, in dem in diesem Jahr die Hauptversammlung stattfand, lagen Kondolenzbücher aus, umrahmt von brennenden Kerzen. Vorstand und Aufsichtsrat empfingen die Aktionäre auf dem Podium in gedeckter Kleidung.

Für die Lufthansa war die Hauptversammlung aber trotz aller anhaltenden Trauer so etwas wie ein Wendepunkt. Konzernchef Carsten Spohr hatte intern bei der Vorbereitung des Aktionärstreffens bereits klar gemacht, dass es Zeit ist, dass sich alle nach den dramatischen Ereignissen nun wieder auf das Tagesgeschäft konzentrieren.

Nach einer Schweigeminute ging er in seiner Rede noch einmal kurz auf die Tragödie ein und sagte, „der Schock sitzt immer noch tief“. Das Unglück habe das Unternehmen verändert und werde für immer Spuren hinterlassen. Und: „Wir sind enger zusammengerückt.“ Hört man sich um, so wird dies von vielen Mitarbeitern durchaus bestätigt.

Genau dieses Gefühl will der Konzernchef nun nutzen, um die latenten Probleme im Konzern erneut anzugehen. Einen Luftfahrtkonzern, eine Airline, könne man eben nicht so einfach „anhalten“, sagte der Vorstandschef. Aktuell am bedrohlichsten ist sicher der seit dem vergangenen Jahr schwelende Tarifkonflikt mit den Piloten. Hier machte der Konzernchef einen großen Schritt auf die rund 5400 Flugzeugführer zu und bot diesen überraschend eine Gesamtschlichtung an.

Die Lufthansa hat dies bislang abgelehnt, weil auf den bisherigen Treffen der Tarifexperten beider Seiten noch gar nicht über alle offenen Fragen zu den sechs Tarifverträge verhandelt worden sei und man die Forderungen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit VC etwa zum Gehalt noch nicht kenne. „Um die lange Tarifauseinandersetzung nun beizulegen, haben wir uns dennoch zu diesem Schritt entschieden“, sagte Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens. Noch in dieser Woche könne ein Schlichter bestimmt werden. Die Vereinigung Cockpit begrüßte, „dass die Lufthansa zu einer Abkehr ihrer Konfrontationshaltung bereit zu sein scheint“ und sich endlich zur Annahme der von der VC wiederholt vorgeschlagenen Gesamtschlichtung aller strittigen Tarifthemen durchgerungen hat. „Eine Befriedung des Tarifkonflikts mittels einer Schlichtung ist bei Einbeziehung aller seit Jahren strittigen und ungelösten Fragen möglich“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl. Die VC werde nun aber erst einmal abwarten, „bis die Lufthansa uns das Angebot auch am Tariftisch vorlegt“. Die Chancen für einen Neuanfang und damit für streikfreie Wochen für die Kunden stehen also ganz gut.

Aktienkurs ist abgerutscht

Wirtschaftlich läuft schon seit vielen Monaten wenig rund bei Europas größtem Luftfahrtkonzern. Der Aktienkurs ist in den Wochen nach dem Germanwings-Unglück abgerutscht, erholt sich aber gerade ein wenig. Das Management hat die Dividende gestrichen, weil nach deutscher Rechnungslegung (HGB) im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 ein Verlust von 732 Millionen Euro aufgelaufen ist. Dieses Ergebnis begrenzt mögliche Ausschüttungen an die Eigentümer. Auch bei den größeren Aktionärsgruppen rumort es. Die Gier nach Größe sei der Lufthansa schon in der Vergangenheit nicht gut bekommen, heißt es da. Und nicht wenige fragen sich, ob es angesichts der großen Zahl wenig profitabler Strecken nicht sinnvoller ist, dem Passagiergeschäft eine Schrumpfkur zu verordnen. Denn richtig profitabel sind eigentlich nur die Service-Töchter für Technik und Catering.