Handel

Kaufhof könnte kanadisch werden

Metro will die Warenhauskette verkaufen. Deren Wert wird auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt

Die mehr als hundert Kaufhof-Filialen könnten bald in kanadische Hände kommen. Die Kaufhof-Muttergesellschaft Metro spricht mit der Handelskette Hudson’s Bay über einen Verkauf der Warenhaus-Kette. „Es gibt seit Jahresanfang Kontakte“, bestätigte eine mit den Vorgängen vertraute Person die Gespräche gegenüber der Berliner Morgenpost. Das amerikanische Fachblatt „Women’s Wear Daily“ hatte zuerst über die Pläne berichte.

Für Metro könnten die Gespräche in einen finanziellen Befreiungsschlag münden. Der Wert der Tochter Galeria Kaufhof mit ihren 105 Galeria-Warenhäusern in Deutschland, 17 Sportgeschäften und 15 Warenhäusern unter dem Namen Galeria Inno in Belgien wird in der Branche auf rund 2,5 Milliarden Euro taxiert.

Die Gespräche befänden sich allerdings noch in einem frühen Stadium, hieß es am Mittwoch. Ob es zu einem Deal komme, sei keinesfalls sicher. Klar ist jedoch, dass ein ernsthafter Kaufinteressent wie Hudson’s Bay die Verhandlungsposition von Metro-Chef Olaf Koch gegenüber weiteren potenziellen Käufern verbessert. Es gebe heute mehr Interessenten für den Kaufhof als früher, hatte Koch kürzlich bereits erklärt. Konkrete Pläne sind bisher nur dem österreichischen Investor Rene Benko nachgesagt worden. Benko, der den Kaufhof-Rivalen Karstadt übernommen hatte, hat nach Einschätzung von Insidern die Idee einer „Deutsche Warenhaus AG“, also den Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt, keinesfalls zu den Akten gelegt. Keines der beteiligten Unternehmen äußerte sich zu den Vorgängen.

Die 1670 gegründete Hudson’s Bay Company ist die älteste Firma Nordamerikas und eines der ältesten noch tätigen Unternehmen der Welt. In den ersten Jahrzehnten ihrer Existenz organisierte sie den Pelzhandel im größten Teil der britischen Kolonien in Nordamerika. Heute ist die Gesellschaft ein börsennotierter Handelskonzern mit mehr als 330 Kaufhäusern und Filialen.

Die drei Mode-Ketten unter den Namen Hudson’s Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue sowie der junge Heimausstatter Home Outfitters erzielten im Ende Januar abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 8,1 Milliarden Dollar, derzeit rund 7,4 Milliarden Euro. Das Geschäftsjahr zeigt auch den Ausweitungsdrang von Firmenchef Richard Baker. Der will Wachstum und Gewinne vorantreiben – durch Kosteneinsparungen und eine geschickte Verschränkung von Erlebnis-Einkauf vor Ort mit der Bequemlichkeit des Online-Geschäfts.

Galeria Kaufhof erzielte im Ende September ausgelaufenen Metro-Geschäftsjahr ein überschaubares Umsatzplus von 0,5 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro, während der Gewinn vor Steuern und Zinsen um 16 Prozent auf 193 Millionen Euro abschmolz. Allerdings fuhren die Online-Töchter Galeria.de und Sportarena.de zweistellige Zuwächse ein.