Fluggesellschaften

Air Berlin baut seine Führungscrew um

Der neue Vertriebsvorstand kommt von der spanischen Billigfluglinie Vueling

Es tut sich etwas im Eiltempo bei Air Berlin. Voller Schub sozusagen. Stefan Pichler hat in seinen fast drei Monaten an der Spitze der angeschlagenen Fluggesellschaft bereits die Tarifstruktur radikal vereinfacht, die Zahl der Flüge verringert, die Flugplanung neu aufgestellt, die Mitarbeiterbeteiligung und das Duzen eingeführt – und jetzt wird der Vorstand umgebaut.

Zur Reisemesse ITB Anfang März hatte Pichler gefragt, „ob die richtigen Menschen an den richtigen Stellen sitzen“. Damals stellte er sein Konzept für die Sanierung Air Berlins vor. Am Freitag lieferte das Unternehmen einen Teil der Antwort: Der Vorstand wird zum 1. Juni neu aufgestellt. Künftig kümmert sich Julio Rodriguez um den Vertrieb. Er steht im Zentrum des Pichlerschen Reformplans. Rodriguez ist in gleicher Funktion bislang beim spanischen Billigflieger Vueling beschäftigt.

Der Vorstandsposten für das operative Tagesgeschäft, bisher nicht besetzt, wird aufgeteilt: Künftig kümmert sich Air-Berlin-Flugkapitän Oliver Lackmann unter anderem um den Flugbetrieb und die Crewplanung, Marco Ciomperlik übernimmt die Verantwortung für die Produktstrategie und die Kundenzufriedenheit sowie Wartung. Er verantwortete im Vorstand bisher die Umstrukturierung.

Bereits am 1. April war Arnd Schwierholz als neuer Finanzvorstand angetreten. Für die 8300 Mitarbeiter bleibt Personalvorstand Martina Niemann verantwortlich. Die Position des Strategievorstands wird zunächst nicht besetzt – mit dem Thema beschäftigt sich der Chef selbst. Er hatte die Aufgabe Anfang März mitübernommen, als Wolfgang Prock-Schauer sich von Air Berlin verabschiedet hatte.

Von der arabischen Fluggesellschaft Qatar Airways holt Air Berlin Ole Orvér, der sich künftig im erweiterten Managementteam um die strategische Netzplanung kümmern soll – also darum, welche Flughäfen Air Berlin künftig in welcher Frequenz anfliegen soll und mit welchen Partnern.

Von der Neuordnung im Vorstand profitiert auch Air-Berlin-Großaktionär Etihad. Götz Ahmelmann, bisher Vertriebsvorstand, wechselt zur Fluggesellschaft aus dem Emirat Abu Dhabi. Seine Funktion dort ist noch offen. Zuletzt war Air-Berlin-Finanzvorstand Ulf Hüttemeyer in gleicher Funktion zu Etihad gewechselt. Air Berlin steckt tief in den roten Zahlen und wurde zuletzt vor allem durch Geld von Etihad in der Luft gehalten. Pichler hat für 2016 schwarze Zahlen versprochen.