Banken

Deutsche Bank verkauft Mehrheit an der Postbank

Nach mehrstündiger Sondersitzung teilte der Aufsichtsrat den Beschluss mit. Neue Dokumente zum Betrug bei CO2-Zertifikaten

Im verflixten siebten Jahr wird die Trennung eingeläutet: Die Deutsche Bank will die Postbank künftig nicht mehr kontrollieren. Für den Frankfurter Mutterkonzern haben sich die Milliarden, die in die Bonner Tochter investiert wurden, letztlich nicht ausgezahlt. Noch vor einem Jahr war der Optimismus groß: Ein „Powerhouse“ sollte das um 14 Millionen Postbankkunden erweiterte Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank werden. Das Management des Dax-Konzerns gab die Parole aus, man wolle die „Position als führende Privatbank in Deutschland ausbauen“.

Zinsflaute, Regulierungswelle und hausgemachte Probleme zwingen Deutschlands größtes Geldhaus nun zum Umsteuern. Knapp drei Jahre nach ihren Amtsantritt macht die Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen eine entscheidende Weichenstellung aus der Ära ihres Vorgängers Josef Ackermann rückgängig.

Mitte September 2008, anlässlich des Einstiegs bei der Postbank, hatte Ackermann verkündet: „Die Deutsche Bank hat sich zu attraktiven Konditionen an einer der führenden Privatkundenbanken in Deutschland beteiligt. Dies ist eine gute Finanzinvestition, stärkt unser eigenes Privatkundengeschäft und schafft Wert für unsere Aktionäre.“

Lange war das Privatkundengeschäft für viele Großbanken – einschließlich der Deutschen Bank – eher ein Stiefkind. Kleine Summen und geringe Gewinnspannen schienen uninteressant, vielmehr lockte das milliardenschwere internationale Geschäft. Die Finanzmarktkrise 2007/2008 ließ manchen Banker umdenken. Die Deutsche Bank zog den letzten großen Fisch im deutschen Bankenmarkt an Land und sicherte sich zwei Jahre nach dem Kauf des ersten großen Aktienpakets Ende 2010 die Mehrheit bei der Postbank. Ackermann und seine Mitstreiter nahmen auch in Kauf, dass die Übernahme deutlich teurer wurde als einst geplant und legten letztlich gut sechs Milliarden Euro für den gelben Riesen auf den Tisch. Selbst Jain, damals oberster Investmentbanker der Deutschen Bank, zeigte öffentlich „Begeisterung“ für den Kauf der Postbank.

Die hohen Erwartungen jedoch, die Ackermann mit dem Kauf der Post-Tochter verknüpfte, erfüllten sich nie. Der Schweizer hatte gehofft, die Postbank werde helfen, den Konzern besser auszubalancieren und weniger abhängig vom schwankungsanfälligen Investmentbanking zu machen. Noch 2011 legte Ackermann die Latte hoch: „Auch im Privatkundengeschäft wollen wir eine Erfolgsgeschichte schreiben, wie wir sie in unserem Investmentbanking in den vergangenen zehn Jahren geschrieben haben.“ Ziel war, den Vorsteuergewinn der Privatkundensparte mittelfristig auf drei Milliarden Euro zu steigern. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 1,3 Milliarden. Nun will die Deutsche Bank ihren Postbank-Anteil mindestens unter 50 Prozent senken.

Skepsis gegenüber der Postbank-Übernahme gab es schon bald nach dem Einstieg der Deutschen Bank: Mancher Branchenkenner fragte sich, was ein Weltkonzern wie die Deutsche Bank mit Rentnern, Sekretärinnen und Hausfrauen anfangen will, die bei der Postbank monatlich ein paar hundert Euro bewegen. Durchgriff auf die Kundendaten hatten die Frankfurter dem Vernehmen nach ohnehin nicht. Und die Wunschvorstellung, Spareinlagen der Postbank zur Finanzierung des Investmentbankings heranzuziehen, ging wegen Vorbehalten von Seiten der Aufseher nur sehr begrenzt auf.

Unterdessen ist ein Detail zu einem der Akteure des Libor-Skandals bekannt geworden. „Händler drei“, wie ihn das US-Justizministerium nennt, war der profitabelste Derivatehändler der Bank und erhielt allein 2008 Boni von fast 125 Millionen Euro. Er sei für die meisten Anfragen nach manipulierten Euribor-Eingaben verantwortlich, teilte die U.S. Commodity Futures Trading Commission mit. Dieser Händler sei Christian Bittar, berichten zwei informierte Personen. Der Eigenhändler verließ die Bank im Jahr 2011.

Händler drei hat laut Justizministerium mit Kollegen in Frankfurt und bis zu sechs Personen bei anderen Firmen zusammengearbeitet und versucht, den Zins zu manipulieren und die Profitabilität seiner Positionen zu steigern. Gelegentlich soll er auch gegen die Interessen anderer im eigenen Unternehmen agiert haben, wenn das seinem eigenen Handelsbuch zugute kam.

Darüber hinaus sind bei hausinternen Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank beim Steuerbetrug mit Emissionszertifikaten (CO2-Zertifikaten) einem Medienbericht zufolge Dokumente aufgetaucht, die Ko-Chef Jain und weitere Vorstandsmitglieder belasten. Die Dokumente wiesen darauf hin, dass Vorstandsmitglieder 2009 von Betrugsrisiken im Handel mit CO2-Zertifikaten wussten, berichtete der „Spiegel“ am Freitag. Neben Jain sollen auch Finanzvorstand Stefan Krause und IT-Vorstand Henry Ritchotte betroffen sein. Es sei bislang „unklar“, ob es sich bei den Risiken mit CO2-Zertifikaten um „im Markt bekannte oder bankenspezifische Risiken“ handelte.