Haftentlassung

Middelhoff muss 895.000 Euro Kaution hinterlegen

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff muss eine Kaution von 895.000 Euro für seine Freilassung hinterlegen.

Das hat das Essener Landgericht am Dienstag entschieden. Außerdem müsse er seine Reisepässe abgeben, teilte das Gericht weiter mit. Die Strafkammer gehe davon aus, dass einer möglichen Fluchtgefahr mit diesen Auflagen begegnet werden könne. „Nach Haftentlassung muss er sich regelmäßig bei der Polizei melden und darf das Bundesgebiet ohne Genehmigung des Gerichts nicht verlassen“, teilte das Gericht weiter mit.

Juristen gehen davon aus, dass Middelhoff die geforderte Summe trotz der vor wenigen Wochen gestellten Privatinsolvenz beibringen kann. „Generell ist es so, dass eine Kaution auch durch andere Personen gestellt werden kann, beispielsweise durch Freunde oder Verwandte“, sagte ein Gerichtssprecher. Ähnlich äußerte sich der Wirtschaftsstrafrechtler Sascha Kuhn, Partner der Kanzlei Simmons&Simmons in Düsseldorf.

Der Haftbefehl sei aus Gründen der Verhältnismäßigkeit von staatlichen Zwangsmaßnahmen außer Vollzug gesetzt worden, erklärten die Essener Richter. Sie betonen zugleich, dass der Haftbefehl damit nicht endgültig aufgehoben worden sei, denn es bestehe weiterhin „dringender Tatverdacht und Fluchtgefahr“. Der Fluchtgefahr könne aber durch diese Auflagen begegnet werden.

Zum einen sei der Fluchtanreiz nun geringer als früher, da Middelhoff erkrankt sei und regelmäßig ärztlich behandelt werden müsse. Zum anderen sei die zu erwartende Reststrafe durch die rund fünf Monate andauernde Untersuchungshaft inzwischen deutlich gesenkt geworden. Während die Notwendigkeit einer Behandlung Middelhoffs in die Erwägungen zur Verhältnismäßigkeit der Haft einflossen, stellte die Krankheit selbst jedoch keinen Grund für die Entlassung dar.

Middelhoff war kurz nach Ostern erneut in die Essener Uni-Klinik verlegt worden, nachdem sein Gesundheitszustand sich verschlechtert hatte. Der Ex-Manager leidet nach deren Angaben an der Autoimmunkrankheit Chilblain Lupus. Die Erkrankung gilt als äußerst selten. Sie betrifft überwiegend Frauen und ist von Schwellungen an Händen und Füßen begleitet. Der prominente Häftling ist jedoch trotz Krankheit nach Auffassung der Essener Richter nicht haftunfähig. „Diese Frage haben sie – sachverständig beraten durch zwei behandelnde Ärzte – verneint“, erklärte das Gericht. Für einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem „behaupteten Schlafentzug“ gebe es keinerlei Anhaltspunkte.