Bankwesen

Millionen für das Konto im Handy

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Der Milliardär und Gründer von Paypal, Peter Thiel, beteiligt sich in Berlin am Girokontoanbieter Number26

Der Silicon-Valley-Star Peter Thiel steckt zum ersten Mal Geld in ein deutsches Start-up aus dem Finanzbereich. Mit seinem Venture-Capital-Fonds Valar Ventures beteiligt er sich an Number26. Die Berliner, benannt nach der Postanschrift „Unter den Linden 26“, sind seit Januar mit einem Girokonto speziell für das Smartphone auf dem Markt.

Das Start-up sammelte in einer gerade abgeschlossenen Finanzierungsrunde insgesamt zehn Millionen Euro bei Geldgebern ein. Wie viel davon auf Thiel und seinen Fonds entfällt, wurde nicht veröffentlicht. Weitere Geldgeber sind die Investoren Earlybird, Redalpine und der Schweizer Unternehmer Daniel Aegerter. Der Axel-Springer-Konzern („Welt“, „Bild“) ist an Number26 aus einer früheren Runde ebenfalls beteiligt.

Peter Thiel gehört zu den großen Namen im weltweiten Internet-Geschäft. Bevorzugt investiert er dort, wo er auch lebt: nämlich im Silicon Valley an der US-Westküste. Geboren ist er in Frankfurt am Main. Als er ein Jahr alt war, wanderten Thiels Eltern mit ihm in die Vereinigten Staaten aus.

Mit Paypal reich geworden

Nach Jurastudium in Stanford und Arbeit in einer Anwaltskanzlei in New York gründete er zusammen mit Gleichgesinnten den Online-Bezahldienst Paypal. Dadurch wurde der heute 47-Jährige reich und bekannt als Geldgeber immer neuer Projekte. So war er der erste externe Investor bei dem sozialen Netzwerk Facebook. Heute ist er unter anderem an dem milliardenschweren Unterkunftsvermittler AirBnB beteiligt.

Zuletzt sorgte der Investor vor allem mit seinem Buch „Zero to One“ für Schlagzeilen, das ihm viel Kritik einbrachte. Seine provokante Kernbotschaft lautet: Konkurrenz ist schlecht, Monopole sind gut. Fortschritt gebe es nicht dort, wo sich Menschen gegeneinander einen Wettstreit liefern, sondern nur dort, wo sie sich dem Wettbewerb entziehen.

Google sieht er für seine These als ein gutes Beispiel – hochprofitabel und schnell wachsend. „Das extreme Gegenbeispiel ist ein Restaurant, das sich in extremem Wettbewerb mit anderen Restaurants befindet, aber nicht besonders kapitalistisch ist, weil die Betreiber kaum Geld damit machen“, sagte er bei einem Deutschlandbesuch vergangenen Herbst.

Bei dieser Gelegenheit machte Thiel auch deutlich, dass ihm die Stimmung in der Bundesrepublik zu pessimistisch ist. In der deutschen Start-up-Szene herrsche anders als im Silicon Valley „sozialdemokratisches Denken“. Auf der einen Seite sollten viele Unternehmen gegründet werden, aber diese dürften nicht zu groß werden. „Viele sprechen von der Angst vor dem Versagen. In Deutschland herrscht eher eine Angst vor dem Erfolg“, sagte Thiel weiter. Denn dann müsse man sich für den Erfolg rechtfertigen.

Sein Engagement bei Number26 lässt sich als Wette auf einen tiefgreifenden Umbruch im Finanzbereich beschreiben. „Wir sehen riesige Möglichkeiten für Unternehmen, die innovative Wege im Banking gehen“, sagte Andrew McCormack, Thiels Partner bei Valar Ventures. Die Berliner sind nach dem Londoner Unternehmen Transferwise, das eine günstige Form der Auslandsüberweisung bietet und bereits größer ist, das zweite Fintech Investment in Europa.

In wenigen Minuten eröffnet

Das Start-up wurde vor zwei Jahren gegründet, seit Ende Januar wird das Girokonto nach und nach ausgerollt. 8500 Kunden haben es laut Unternehmen bislang eröffnet, weitere 15.000 stehen den Angaben zufolge zurzeit auf einer Warteliste.

Das gebührenfreie Konto soll in weniger als acht Minuten direkt vom Gerät aus per Video-Identifizierung eröffnet werden können. Über jede Geldbewegung wird der Nutzer per Push-Nachricht auf dem Laufenden gehalten, die täglichen, wöchentlichen und monatlichen Ausgaben kann er sich sortiert nach bestimmten Kriterien anzeigen lassen.

Für die Offline-Welt gibt es eine kostenlose Mastercard, mit der Kunden weltweit gebührenfrei Geld abheben können. Bei Überweisungen sind weder Tan-Listen noch Tan-Generatoren notwendig. Da nur mit dem registrierten Smartphone Transaktionen freigegeben werden können, reicht ein selbst gewählter Code.

Nutzer können zudem per Tastendruck die Karte vorübergehend sperren, beispielsweise für den Auslandseinsatz. Das Unternehmen hat selbst keine Banklizenz, sondern nutzt die Dienste der Wirecard Bank und sieht sich selbst als Konkurrenz der Direktbanken. „Mit den frischen Mitteln wollen wir die Funktionen weiter verbessern“, sagte Valentin Stalf, einer der beiden Gründer. Dazu gehöre auch eine weitere Verbesserung bei der Betrugserkennung.