Smartphone-Markt

Unternehmer aus Shenzen will Apple ärgern

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Richard Yu liebt diese Auftritte.

Der Smartphone-Chef von Huawei fühlt sich dann ein wenig wie der verstorbene Apple-Mitgründer Steve Jobs. Allein auf der Bühne. Wenn er mit einem Grinsen die neusten Gadgets hervorholt und sie dem Publikum entgegenhält. Nun zog er gleich zwei neue Smartphones aus seiner Jackett-Tasche, das Huawei P8 und das größere Huawei P8 Max. Der Huawei-Manager hatte großen Spaß daran, seine neuen Geräte mit dem iPhone zu vergleichen. Natürlich schnitt Apple dabei nicht sonderlich gut ab. So sollen die P8-Smartphones eine längere Batterielaufzeit haben, mehr Display auf weniger Größe und einen besseren Bildstabilisator.

Fotos, die vermeintlich mit dem iPhone gemacht wurden, waren neben den P8-Aufnahmen verwackelt, die Farben ausgewaschen, ohne Details bei schlechtem Licht. Yu bemerkte, dass die Kamera seiner Smartphones nicht aus dem Gehäuse herausragt. Überhaupt seien die Displays der P8-Modelle größer (5,2 und 6,8 Zoll) und heller als die iPhones.

Strategie geht auf

Tatsächlich hat sich Huawei im Smartphone-Markt viel vorgenommen. Einst war der chinesische Konzern als Telefonnetz-Ausrüster gestartet. Während Konkurrenten wie Ericsson und Nokia ihr Handy-Geschäft abstießen, erhoffte sich der chinesische Huawei-Konzern genau dort ordentliches Wachstum. Die Strategie ist bislang weitestgehend aufgegangen. Im vergangenen Jahr ist keine Konzernsparte so schnell gewachsen wie das Geschäft mit den Smartphones. Um ein Drittel hat es zugelegt. Inzwischen macht es ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. In diesem Jahr soll der Umsatz des Consumer-Geschäftes, das zum größten Teil aus Smartphones besteht, ähnlich schnell wachsen und bei 16 Milliarden Dollar landen. Im vergangenen Jahr hat der Konzern 75 Millionen Smartphones verkauft. In diesem Jahr will Huawei die 100-Millionen-Hürde nehmen. Nach Samsung, Apple und Lenovo ist Huawei der viertgrößte Smartphone-Hersteller weltweit.

Inzwischen ist den Chinesen der Sprung auf den globalen Markt gelungen. Mehr als die Hälfte des Smartphone-Umsatzes macht der Konzern im Ausland. Vor allem in stark wachsenden Märkten wie Venezuela, Kolumbien und Pakistan sind die Huawei-Geräte erfolgreich. In Myanmar liegt der Marktanteil nach eigenen Angaben bei etwa 50 Prozent. Huawei muss seine Stellung auf zwei Seiten verteidigen. Zum einen greifen Apple und Samsung mit ihren Flaggschiff-Smartphones an. Gegen das iPhone 6 und Samsungs Galaxy-S6-Modelle sollen nun die P8-Geräte bestehen können.

Doch auch andere chinesische Hersteller wie Xiaomi, Lenovo, Coolpad und ZTE setzen Huawei zu. Huawei will daher künftig auch zunehmend auf High-End-Smartphones setzen. „Im Niedrigpreis-Markt gibt es keine Marge“, sagt Smartphone-Chef Yu. 30 Prozent seiner Geräte will er in diesem Jahr für mehr als 320 Dollar verkaufen.