Banken

Kreditkarte als Autoschlüssel

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DKB und BMW werten das klassische Zahlungsmittel auf. 2014 war ein erfolgreiches Jahr

Beinahe hätte es sie nicht mehr gegeben, zahlreiche Sportvereine müssten mit weniger Geld auskommen, Berlin wäre um einen großen Arbeitgeber ärmer und die Bayerische Landesbank in München müsste jedes Jahr auf größere Millionensummen verzichten. 1994 stand die Deutsche Kreditbank, 1990 als erste private Bank der DDR gegründet, vor dem Aus und sollte, wie die Treuhandanstalt, abgewickelt werden. Doch das Bundesfinanzministerium als Eigentümer verkaufte das Institut dann doch lieber – an die Bayerische Landesbank.

Mit 300 Mitarbeitern begann die DKB nach der Privatisierung in Berlin, heute arbeiten rund 3100 für die inzwischen bundesweit tätige Bank, die Mehrheit davon in Berlin. Sie arbeitet mit dem US-Bezahlanbieter Paypal zusammen, mit dem Berliner Start-up Cringle, mit dem sich Kleinbeträge über das Smartphone überweisen lassen. Und sollte der US-Technologiekonzern Apple mit einem eigenen Bezahlsystem in Deutschland starten, ist die DKB auch für eine Zusammenarbeit offen. „Wenn der Kunde damit bezahlen will, bieten wir das an“, sagte Bankchef Stefan Unterlandstättner. So bleibt der Kunde bei der DKB und verwaltet seine Überweisungen auf der Seite der Bank, statt womöglich zu den neuen Anbietern abzuwandern.

Das Sportsponsoring umfasst unter anderem Biathlon, Handball und Volleyball. Die Bank ist zudem größter Finanzierer von erneuerbaren Energien in Deutschland, wie Unterlandstättner betonte.

Das Geschäftsmodell ist für eine Bank recht übersichtlich: Im Prinzip verwaltet die DKB die Einlagen der Kunden und reicht Kredite aus – klassisches Bankgeschäft, wie Unterland-stättner sagte. Es gibt kein Investmentbanking wie etwa bei der Deutschen Bank und auch keine Filialen für Privatkunden. Das hält die Kosten niedrig und die staatlich vorgeschriebene Risikovorsorge im überschaubaren Rahmen. Im Privatkundengeschäft will die Bank vor allem Hausbank sein und alles aus einer Hand anbieten: Girokonto, Aktiendepot, Sparpläne, Immobilienfinanzierung, Konsumentenkredit.

Zu Geschäftskunden zählen vor allem Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften sowie Erbauer von Wind-, Solar- und Biogasanlagen. Das Kreditvolumen für derartige Anlagen stieg im vergangenen Jahr von sieben auf acht Milliarden Euro. „Wir sind der größte Finanzierer erneuerbarer Energien in Deutschland“, sagte Bankchef Unterlandstättner.

Bisher läuft das Geschäft für die DKB recht gut: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Kunden um rund 222.000 auf fast 3,1 Millionen. Unterlandstättner rechnet mit einem Wachstum in ähnlicher Größe in diesem Jahr. Die Kunden wechselten vor allem von anderen privaten Banken zur DKB, sagte er. Der Zinsüberschuss, die Differenz zwischen Zinseinnahmen und -ausgaben, stieg um 49,1 Millionen Euro auf 670,2 Millionen Euro. „Das sind 15 Millionen Euro mehr als erwartet“, sagte Finanzvorstand Rolf Mähliß, vor allem im herausfordernden Zinsumfeld mit niedrigen Einlagen- und Kreditzinsen.

Das Konzernergebnis betrug 165,1 Millionen Euro, nach 152,9 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Über die guten Zahlen freut sich auch Eigner Bayerische Landesbank. Die DKB überwies 204,5 Millionen Euro, nach 139 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Auch im laufenden Jahr soll der Zinsüberschuss wieder steigen, wie Unterlandstättner sagte, ebenso das Konzernergebnis. Und auch an die Muttergesellschaft wollen die Berliner in diesem und dem nächsten Jahr mehr überweisen.

Neues Geschäft verspricht sich das Unternehmen auch mit der BMW-Kreditkarte, für die die DKB die Abwicklung übernimmt. Auf ihr gibt es nicht nur einen Chip zum Bezahlen in klassischer Form oder per Nahfunkstandard NFC. Mit der Karte sollen Kunden des Carsharing-Dienstes DriveNow ein gemietetes Fahrzeug öffnen und starten können. Auch die Abrechnung der Fahrt mit den Autos kann über die Karte laufen. Die DKB steht auch hinter der Miles&More-Kreditkarte der Deutschen Lufthansa und vergleichbaren Karten bei Porsche und der Hotelgruppe Hilton.