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Berlins Baubranche plagen einige Nachwuchssorgen

Viele Jahre lang hatte die Baubranche in Berlin mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen, das ist derzeit anders.

„Wir freuen uns über die rege Bautätigkeit“, sagte Michael Schrobsdorff, Präsident der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg auf der Jahrespressekonferenz. Die Auftragsbücher seien im Allgemeinen voll, der Staat wolle mehr in Infrastruktur und Wohnungsbau investieren. (84 Prozent der Betriebe schätzen einer Verbandsumfrage zufolge die Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. Gut ein Drittel erwartet einen Umsatzanstieg. Also alles bestens? Nicht ganz.

So fürchtet die Branche, dass die Investitionen nicht so schnell kommen könnten, wie geplant, weil in den Behörden Personal fehlt, um die entsprechenden Aufträge auszuschreiben. Auch beim Wohnungsbau geht es nicht so schnell, „wie wir uns das wünschen“, sagte Schrobsdorff. Hier betrifft es die Baugenehmigungen. Der Verbandspräsident sprach auch davon, dass es an manchen Stellen der Stadt nicht mehr genug Wohnungsbaugrund gebe.

Eine weitere Sorge betrifft die Zukunft der gesamten Branche. Schrobsdorff sagte, der Bau steuere auf einen extremen Fachkräftemangel zu. Die Branche habe bereits heute große Probleme Nachwuchs zu finden. Das Durchschnittsalter sei in den vergangenen zehn Jahren um vier Jahre gestiegen, sagte Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Derzeit liege es bei Ende 40.

Um Nachwuchs für den Bau zu begeistern, hat der Verband vor mehr als einem Jahr „Startklar für Ausbildung“ gestartet. In dem Projekt werden Schüler mit schlechten Noten sechs Monate vorbereitet, können reinschnuppern in die Baubranche. Die Abbrecherquote bei Auszubildenden sei deutlich gesunken auf 15 Prozent statt früher bis zu 45 Prozent.

Zudem fordert der Verband eine Änderung des Einwanderungsgesetzes. Flüchtlinge, die eine Ausbildung machten, müssten eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen – auch ein oder zwei Jahre über die Ausbildung hinaus, sagte Dellmann. Schrobsdorff ergänzte: „Wir brauchen diese Menschen dringend.“

Insgesamt setzten die Firmen im Bauhauptgewerbe 2014 rund 2,9 Milliarden Euro um, ein leichtes Plus von 0,1 Prozent. Vor allem der Wohnungsbau (plus acht Prozent) und der Straßenbau (plus 17,1 Prozent) profitierten. Im Gewerblichen Tiefbau gab es dagegen ein minus von 15,7 Prozent. Im Bauhauptgewerbe arbeiteten 2014 rund 20.700 Beschäftigte.