Prognose

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Der IWF sieht kurzfristiges Wachstum in der Eurozone, langfristig geht es abwärts

Es ist wieder soweit: Washington wird für ein Wochenende zum internationalen Wirtschaftsmekka. Finanzminister und Notenbankchefs aus 188 Mitgliedsländern reisen in die US-Hauptstadt, um bei der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank darüber zu diskutieren, was sie gemeinsam für die globale Konjunktur tun können. Auch wenn es so scheint, als würden sie vor allem Probleme wälzen, es gibt auch Gründe für Zuversicht. Was gut läuft und was schlecht:

Die Eurozone muss sich nach Einschätzung des IWF längerfristig auf ein schwaches Wirtschaftswachstum einstellen. Zwar habe sich die Konjunktur in der Region zuletzt erholt, aber für die Zukunft gebe es derzeit kaum Aussichten auf eine weitere Verbesserung, heißt es in der aktuellen IWF-Prognose für die Weltwirtschaft, die am Dienstag in Washington veröffentlicht wurde. Die Überalterung der Gesellschaft, geringe Investitionsbereitschaft und eine zu langsame Zunahme der Gesamtproduktivität seien die Hauptgründe. „Die Erwartung eines geringeren Wachstumspotenzials schwächt bereits heute Investitionen“, sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. Der Fonds fordert mehr öffentliche Ausgaben, etwa für Infrastruktur und Bildung. So würden neue Arbeitsplätze geschaffen, die Bürger könnten mehr ausgeben und ihre Schulden tilgen.

Auf kurze Sicht erhöhte der IWF allerdings seine Prognose für die Eurozone. Für dieses Jahr erwartet der Währungsfonds ein Wachstum von 1,5 Prozent, im kommenden Jahr sollen es 1,6 Prozent sein. 2014 hatte die Wirtschaft lediglich um 0,9 Prozent zugelegt, im Jahr zuvor war der Währungsraum noch in der Rezession. Auch für Deutschland verbesserte sich die Prognose auf 1,6 Prozent in diesem Jahr und 1,7 Prozent im kommenden. Die Werte sind 0,3 und 0,2 Prozentpunkte höher als in der Januar-Schätzung.

Wie andere wichtige Wirtschaftsräume habe die Eurozone stark vom niedrigen Ölpreis profitiert, erklärte der IWF. Die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank hätten ebenfalls einen positiven Effekt. Ein teurer Dollar habe zudem der Exportwirtschaft geholfen. Produkte aus dem Euroraum werden dadurch auf wichtigen Märkten wie den USA billiger. Das erhöht die Absatzchancen.

Auch Euro-Länder wie Griechenland, Spanien, Frankreich und Italien verzeichnen laut IWF 2015 und 2016 ein ansehnliches Plus beim Bruttoinlandsprodukt. Nahezu überall in der Eurozone werde die Arbeitslosigkeit sinken. „Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession ist nicht auf null gesunken, ist aber deutlich zurückgegangen“, sagte Blanchard.

Weltweit rechnet der IWF in diesem Jahr mit einem Wachstum von 3,5 und 2016 mit 3,8 Prozent. In den beiden Vorjahren lag es bei 3,4 Prozent. Besser als zuletzt stünden die großen Volkswirtschaften da, während die Konjunktur in Entwicklungs- und Schwellenländern etwas nachgelassen habe. Die russische Wirtschaft werde in diesem Jahr um 3,8 Prozent schrumpfen.