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Bombardier prüft Börsengang seiner Berliner Zug-Sparte

Der Probleme des kanadischen Industriekonzerns Bombardier mit seiner Flugzeugsparte könnten Berlin ein neues Börsenschwergewicht bringen.

Die Kanadier denken offenbar darüber nach, sich von ihrer Eisenbahnsparte zu trennen. Eine Möglichkeit ist demnach ein Börsengang in London oder Frankfurt. Die Zugsparte Bombardier Transportation hat ihren Sitz in Berlin, in Hennigsdorf gibt es ein Werk. Es könnte Insidern zufolge bereits im zweiten Halbjahr soweit sein.

Der Konzern prüfe mit Investmentbankern verschiedene Optionen, das Bahn-Geschäft zu Geld zu machen, sagten Insider. Vorgesehen ist demnach ein Erlös von bis zu fünf Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro). Mit dem Geld will Bombardier seine angeschlagene Flugzeug-Sparte sanieren. Die Sparte hat Probleme mit einem neuen Flugzeug, dessen Entwicklung sich verzögert. Gleichzeitig stiegen die Kosten dramatisch. Zuletzt hatte die Sparte Personal gestrichen. Mit den neuen Maschinen will Bombardier zumindest bei kleineren Flugzeugen bis 150 Plätzen zu Airbus und Boeing aufschließen.

Offenbar denken die Strategen in Montreal nicht nur über einen Börsengang nach. Auch ein (Teil-)Verkauf der ganzen Sparte oder eine Fusion mit einem Konkurrenten wäre demnach möglich. Siemens und die französische Alstom, derzeit allerdings selbst in Umstrukturierung, werden genannt. Ob die Kartellbehörden das allerdings genehmigten, ist unklar. Bombardier Transportation ist der größte Zughersteller der Welt, er bietet wie Siemens auch Signal- und Überwachungs-Technik an. Bombardier ist ein wichtiger Lieferant der Deutschen Bahn und beschäftigt in Berlin rund 3500 Mitarbeiter.

In der Berliner Firmenzentrale fiel die Reaktion recht knapp aus. „Die Bahnsparte ist gut aufgestellt“, sagte Bombardier-Sprecher Immo von Fallois. Unmittelbare Folgen auf das Geschäft und die Arbeitsplätze erwarte man im Moment nicht. Den Auftrag für den Bau neuer S-Bahn-Züge für Berlin nicht zu bekommen, hätte da weitaus größere Folgen.