Personalien

VW-Patriarch Piech schießt Vorstandschef Winterkorn an

Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch rückt laut einem „Spiegel“-Bericht völlig überraschend ab von Konzernchef Martin Winterkorn.

„Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Piëch dem „Spiegel“, wie das am Sonnabend erscheinende Nachrichtenmagazin am Freitag online berichtete. Ein Konzernsprecher wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Die „Spiegel“-Darstellung kommt einem Erdbeben im VW-Reich gleich. Piëch hatte die Konzernspitze vor Winterkorn selber geführt, zu dem er jahrzehntelang ein großes Vertrauensverhältnis besaß. Die Familien Porsche und Piëch besitzen die Stimmenmehrheit bei Volkswagen. Piëch gilt als VW-Machtzentrum. Ohne ihn fällt keine zentrale Entscheidung.

Das Tandem Winterkorn/Piëch galt auch als der Weichensteller für die mittelfristige Zukunft. Winterkorns Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus, dann geht er auf die 70 zu. Piëch wird Ende April 78. Konzerninsider berichteten zuletzt stets übereinstimmend, dass Winterkorn Piëch an der Spitze des Kontrollgremiums ablösen dürfte. Nur der Zeitpunkt schien unklar. So ließ es auch Winterkorn zuletzt in mehreren Interviews offen, ob für ihn eine Vertragsverlängerung infrage komme. Vor diesem Hintergrund hat nun ein weiterer Satz von Piëch Gewicht. Dem „Spiegel“ sagte er: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“

Der „Spiegel“ führt für die Verstimmung auch die strategischen Probleme an, vor denen Volkswagen steht. Die Gewinnkraft der Kernmarke VW-Pkw hinkt der Konkurrenz hinterher. Daher greift seit vergangene Sommer ein milliardenschweres Sparprogramm. In den USA fehlen die richtigen Modelle, so dass VW seit Jahren in einem wachsenden Markt – dem zweitgrößten der Welt – Anteile verliert. Und das schon vor Jahren angekündigte Budget-Car, mit dem der Konzern in die jungen Schwellenländer vorstoßen will, ist noch immer nicht da.