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Commerzbank wertet Standort Berlin auf

Institut konzentriert die Verantwortung für Ostdeutschland in der Hauptstadt

Für die Commerzbank wird Berlin wichtiger. Das Frankfurter Institut wertet die Hauptstadt im Zuge des Konzernumbaus auf. Künftig steuern zwei Bereichsvorstände von Berlin aus das Bankgeschäft mit Privat- und Firmenkunden in Ostdeutschland. Bisher gab es diese Positionen nicht in Berlin. Sie sind direkt unterhalb des Konzernvorstands angesiedelt.

Zuständig für Privat- und Geschäftskunden sowie Vermögensverwaltung ist Jenny Friese. Die 40-Jährige wuchs in Berlin auf und arbeitete gut 13 Jahre bei der Deutschen Bank in Berlin und Frankfurt/Main, bevor sie zur Commerzbank wechselte. Zuletzt leitete sie in Berlin die Vermögensverwaltung.

Für die Mittelstandsbank übernimmt Holger Werner den Posten des Bereichsvorstands. Die Bank betreut das Geschäft mit Firmen, die mehr als 2,5 Millionen Euro im Jahr umsetzen. Der 49-Jährige arbeitete unter anderem bei der Hypovereinsbank und dem Versicherungskonzern Allianz, bevor er 2009 zur Commerzbank kam.

Der Konzern unterzieht sich seit 2014 einer radikalen Kur. So orientiert sich die Bank jetzt stark an den Kundenwünschen und verkauft auch Fremdprodukte, wenn sie für den Kunden interessanter sind als eigene – zum Beispiel Aktienfonds. Teil der Kur ist auch die neue, deutlich schlankere Struktur des Vertriebs. Die Commerzbank streicht eine Führungsebene und legt verschiedene Einheiten zusammen.

So gibt es künftig den Bereich Ost mit 14 Niederlassungen für Privat- und Firmenkunden, an denen die 220 Kundenfilialen der Region aufgehängt sind. Bisher gab es allein in Berlin mit seinen 70 Kundenfilialen neun sogenannte Regionalfilialen, zwei Gebietsfilialen und einen Standort für Vermögensmanagement.

Der Umbau verkürzt Entscheidungswege und spart Personal. In welchem Umfang Berlin betroffen ist, ist noch nicht klar. Erste Zahlen soll es Anfang Mai geben. Der Kunde soll vom Umbau wenig merken: Am Filialnetz wird nichts geändert, wie es hieß. Bundesweit betreibt die Bank 1100 Filialen.

In der Region Ost betreut die Commerzbank insgesamt rund 1,9 Millionen Privat- und Geschäftskunden. Allein in Berlin sind es 708.000, davon etwa 100.000 Geschäftskunden. Darunter versteht die Bank Selbstständige wie Ärzte und Anwälte sowie Kleinunternehmer, die jährlich bis zu 2,5 Millionen Euro umsetzen. Die Mittelstandsbank kümmert sich in der Region Ost um rund 15.000 Firmenkunden.

Offenbar ist die Radikalkur gut fürs Geschäft: 2014 wies Deutschlands zweitgrößte Bank nach der Deutschen Bank 602 Millionen Euro Gewinn aus – nach 66 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Der Konzern beschäftigte zuletzt 52.000 Mitarbeiter, davon 2300 in Berlin.

Im Zuge des Vertriebsumbaus wird die Chefetage auch weiblicher: Künftig sind unter den 46 Bereichsvorständen fünf Frauen, bisher waren es drei. In der obersten Führungsebene bleibt allerdings alles beim alten: Chef Martin Blessing arbeitet mit sechs männlichen Vorstandskollegen zusammen.