Ermittlungen

Expertin bezweifelt massiven Schlafentzug bei Middelhoff

Die Vorsitzende der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention im Gefängnis, Katharina Bennefeld-Kersten, hat erhebliche Zweifel an dem Vorwurf, dass der frühere Topmanager Thomas Middelhoff in Haft über Wochen alle 15 Minuten geweckt wurde.

Es sei die Rede davon gewesen, dass immer wieder die Tür zu Middelhoffs Zelle geöffnet, das Licht angemacht und überprüft worden sei, ob dieser noch lebend im Bett liege, sagte Bennefeld-Kersten am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. „Ich glaube, das wird nicht so gewesen sein.“ Eine solche Überwachung brauche zu viel Personal. Ein Bediensteter dürfe eine Zellentür in der Nacht alleine nicht öffnen.

Das Justizministerium in NRW betonte am Donnerstag, bei den nächtlichen Kontrollen von Middelhoff in der JVA Essen habe kein Bediensteter dessen Zelle betreten. Das ergebe sich aus dem Meldebuch, das die JVA-Mitarbeiter führen müssen, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage in Düsseldorf. „Kein Bediensteter hat den Haftraum zwischen 22 Uhr und 6 Uhr betreten.“ Das Meldebuch belege, dass die Kontrolle im 15-Minuten-Takt vom 14. November bis 9. Dezember und noch einmal am 18. und 19. Dezember lediglich aus einem Blick durch den Spion der Zellentür bestanden habe. Die JVA Essen begründet die engmaschige Sichtkontrolle mit Suizidgefahr.

Die Rechtsanwälte des früheren Topmanagers hatten der Justiz vorgeworfen, Middelhoff immer wieder geweckt zu haben und von einem „unter keinem denkbaren Gesichtspunkt gerechtfertigten Schlafentzug“ gesprochen. Der gesundheitliche Zustand des 61-Jährige habe sich drastisch verschlechtert. Er sei haftunfähig. Das Essener Landgericht hat daraufhin am Donnerstag einen erneuten Haftprüfungstermin anberaumt. Die Richter hüllten sich über den Ort und die Zeit allerdings in Schweigen.