Privatinsolvenz

Früherer Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist pleite

Der in Untersuchungshaft sitzende frühere Chef der Karstadt-Mutter Arcandor, Thomas Middelhoff, ist pleite.

Middelhoff habe am Dienstag beim Amtsgericht Bielefeld einen Antrag auf Privatinsolvenz gestellt, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts auf Anfrage. Daraufhin sei vom Gericht für ihn ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden.

Nach Angaben des Sprechers prüft das Gericht jetzt im nächsten Schritt, ob das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Dazu werde nun ein Gutachten erstellt, wie viel Vermögen bei Middelhoff überhaupt noch vorhanden sei und wie viele Schulden er habe. Dies werde sicher „einige Wochen“ in Anspruch nehmen.

Dem Sprecher zufolge darf Middelhoff als Folge des Insolvenzantrags nun nicht mehr selber über sein Vermögen verfügen, sondern benötigt dazu die Zustimmung des Insolvenzverwalters. „Er darf kein Geld mehr ausgeben. Und jeder, der ihm noch Geld schuldet, darf nicht mehr an ihn zahlen.“

Der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Bielefelder Rechtsanwalt Thorsten Fuest erklärte, er werde sich nun zunächst „ein Bild von den komplexen Vermögensverhältnissen“ Middelhoffs machen. „Im Dialog mit ihm und seinen Gläubigern werde ich dann über den weiteren Verfahrensablauf befinden.“ Das Verfahren diene dazu, die Forderungen der Gläubiger aus der zu verwertenden Insolvenzmasse zu befriedigen. Gleichzeitig biete es Middelhoff mehrere Wege, sich von seinen Schulden zu befreien.

Das Essener Landgericht hatte den einstigen Spitzenmanager im November wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und im Verhandlungssaal einen Haftbefehl verkündet. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft, mehrere Beschwerden gegen die Haft blieben wegen Fluchtgefahr erfolglos. Nach Überzeugung des Gerichts hatte Middelhoff Flüge und eine Festschrift zu Unrecht teils über Arcandor abgerechnet.