Verbraucher

Studie: Jugendlichen ist Ausbeutung von Textilarbeitern egal

Jugendliche achten laut einer Greenpeace-Umfrage beim Kleiderkauf auf Design, Preis und Marken, jedoch kaum auf die Herstellungsbedingungen.

Sie wüssten zwar über die Ausbeutung von Textilarbeitern und den Chemikalieneinsatz in der Textilindustrie Bescheid, blendeten dies aber beim Kauf aus, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten und von der Umweltorganisation in Auftrag gegebenen Untersuchung des Instituts nuggets. Die Meinungsforscher befragten nach eigenen Angaben vom 13. bis 19. Januar 500 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren.

Mehr als 80 Prozent der Jugendlichen kaufen ihre Kleidung laut der Studie bei großen Modeketten. Etwas mehr als die Hälfte bestellt sich die Mode online nach Hause. Die Herstellungsbedingungen oder Textilsiegel seien nur für gut zehn Prozent der Jugendlichen wichtig. Nur wenige junge Leute kennen bekannte grüne Labels. „Während über 90 Prozent der Teenager Marken wie Nike oder Adidas kennen, wissen nur drei bis sechs Prozent der Jugendlichen von bekannten grünen Labels wie ArmedAngels oder Recolution“, teilte Greenpeace mit.

Grund für den geringen nachhaltigen Kleiderkonsum sind laut Greenpeace Vorurteile: Grüne Mode sei zu teuer, nicht modisch genug und die Auswahl zu gering. Ein weiterer Grund sei, dass Läden und Siegel für ökologisch hergestellte Kleidung nicht bekannt genug seien. Fast 70 Prozent der Jugendlichen mag Secondhand-Kleidung nicht, weil sie als „nicht sauber“ gilt. „Das sind alte Zöpfe, die abgeschnitten gehören. Das Angebot an gut gemachter Ökomode wächst rasant. Und wer ein Teil weniger kauft, kann sich die hochwertigere Alternative auch leisten“, sagte Kirsten Brodde, Textil-Expertin von Greenpeace. Leider hielten sich diese Vorurteile hartnäckig, da sich die Jugendlichen zunehmend auf kommerziellen Shoppingseiten wie Zalando (43 Prozent) oder auf den Websites der Modeketten (35 Prozent) über Trends informierten.

Die Probleme, die durch die Massen an Altkleidern und deren Verwertung entstehen, scheinen nach Greenpeace-Angaben weitgehend unbekannt. Über 70 Prozent der Befragten bringen laut der Studie die ausrangierte Mode zur Altkleidersammlung, jeder Fünfte wirft sie einfach weg. Immerhin die Hälfte spendet sie demnach direkt sozialen Einrichtungen oder gibt sie privat weiter. Nur etwa ein Drittel verkauft ausrangierte Kleidung über das Internet.