Analyse

Tanken um 18 Uhr ist am billigsten

Studie: Das Auf und Ab der Spritpreise folgt im Tagesverlauf einem bestimmten Muster

Das ständige Wechseln der Benzinpreistafeln an den Tankstellen mag einem Gelegenheitsfahrer völlig willkürlich vorkommen. Doch in Wirklichkeit folgen die Spritnotierungen im Tagesverlauf stets einem immer gleichen Zeitplan. Das das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) jetzt mit mathematischer Genauigkeit nachgewiesen: Kraftstoff gleich welcher Sorte ist nachts um 23 Uhr regelmäßig am teuersten. Am meisten Geld spart, wer gegen 18 Uhr an der Zapfsäule haltmacht. „Die Regelmäßigkeit dieses Verlaufs ist frappierend“, heißt es im jüngsten „Benzinpreisspiegel“ des RWI. Das selbe Muster zeige sich „über alle Wochen hinweg und für alle Kraftstoffsorten“.

Das Institut hatte seit Juni vergangenen Jahres Millionen von Preisdaten analysiert, die von den rund 14.000 Tankstellen in Deutschland an die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamtes gemeldet werden müssen. Dabei zeigt sich: Die früher regelmäßigen Preisspitzen in den Tagen kurz vor Ostern sind einem neuen Muster gewichen. Demnach ist es keine gute Idee, zwischen 23 Uhr und 5 Uhr morgens zum Tanken zu fahren: Super E5 kostet während dieser Zeit im Schnitt über 1,45 Euro pro Liter. Wer um 18 Uhr Sprit nachfüllt, zahlt in der Regel nur rund 1,35 Euro oder noch weniger.

Dabei machen die RWI-Forscher sogar interessante Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern aus. So könne man den Daten etwa entnehmen, „dass Shell erstens früher am Tag die Preise wieder erhöht als Jet und zweitens preislich höher liegt als Jet“. Für den Mineralölwirtschaftsverband (MWV) ist es leicht erklärbar, warum die Benzinpreise zwischen 5 Uhr morgens und 18 Uhr so rasant auf Talfahrt gehen: „Die Tankstellen unterbieten sich im harten Wettbewerb bis zur Verlustzone gegenseitig“, erklärte ein Sprecher des Verbandes in Berlin: „Dann müssen die Preise angehoben werden, sonst könnten die Tankstellen nicht überleben.“

Nach den Berechnungen der Forscher sind die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen in den letzten Monaten nicht so stark gesunken wie die Rohölnotierungen der Nordsee-Sorte Brent. Es gebe „klare Indizien dafür, dass sich der Preisrückgang beim Rohöl nicht eins zu eins in den Kraftstoffpreisen widerspiegelt.“ Gemessen an den reinen Rohstoff- und Steuerkosten, müsste der Liter Superbenzin 1,24 Euro kosten – 17 Cent weniger als in der Realität. Selbst wenn der Tankstellenpächter im Schnitt zwei Cent je Liter einbehält, bleiben den Mineralölmultis noch rund 15 Cent. Diese Marge liegt deutlich über dem langjährigen Schnitt.

Den Verdacht, fallende Ölpreise nicht voll weitergegeben zu haben, weist der Mineralölwirtschaftsverband zurück: „Der Ölpreisrückgang seit vergangenem Sommer hat eins zu eins auf die Tankstellenpreise in Deutschland durchgeschlagen“, betont ein Sprecher. Die Rohstoffpreise würden derzeit sehr stark schwanken, und nicht jede Wende fließe umgehend in die Preise an der Zapfsäule. Der Verband vermutet einen Rechenfehler der Essener Forscher: „Der Versuch, über eine komplizierte Quote von Tankstellenpreis zu Rohölpreis einen langsamer fallenden Benzinpreis nachzuweisen, führt in die Irre“, sagte der MWV-Sprecher: „Wenn Ölpreis und Benzinpreis im genau gleichen Umfang sinken, steigt diese Quote schon rein rechnerisch an – ohne sinnvolle Aussage über die Benzinpreisentwicklung.“