Tierschutzgesetz

Töten von Küken nach dem Schlüpfen soll verboten werden

Gleich nach dem Schlüpfen werden auf deutschen Hühnerfarmen jedes Jahr Millionen Küken einem gnadenlosen Selektionsprozess unterzogen.

Weibliche Tiere werden großgezogen, die männlichen sind für die Eierwirtschaft nutzlos und werden getötet. Allein in Deutschland müssen so jährlich 40 bis 50 Millionen Küken sofort nach dem Schlüpfen sterben. Doch diese Praxis soll bald Vergangenheit sein. Das wichtigste Produktionsland, Niedersachsen, prescht voran. „Diese verwerfliche Praxis kann so nicht weitergehen“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) der Berliner Morgenpost und bezeichnete das Töten der „Eintagsküken“ als eklatanten Verstoß gegen den Tierschutz. Der Minister will den Selektionsprozess in drei bis fünf Jahren verbieten. Er fordert den Bund auf, ein Enddatum vor 2020 rechtsverbindlich ins Tierschutzgesetz zu schreiben.

Die Geflügelindustrie müsste dann ein selbst geschaffenes Problem anpacken. Eintagsküken sind unerwünschte Nebenprodukte eines langen Zuchtprozesses, an dessen Ende das Haushuhn in zwei Varianten steht: das für die Fleischproduktion optimierte Masthuhn, das extrem viel Brustfleisch ansetzt, und die Legehenne, die viel kleiner ist, aber 300 Eier pro Jahr legt. Eintagsküken sind die männlichen Vertreter dieser Linie und sie haben wenig zu bieten: kaum Fleisch, keine Eier. Doch es gibt Ansätze, die eine Bestimmung des Geschlechts von Küken vor der Geburt ermöglichen. Dann könnten statt lebendiger Küken befruchtete Eier aussortiert werden. In einigen Jahren soll die Methode praxisreif sein.

( S.F. )