Fluggesellschaften

Es kann nur besser werden

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Björn Hartmann

Air Berlin ist tiefer ins Minus geraten. Der neue Chef ist dennoch optimistisch für die Zukunft

Ulf Hüttmeyer kann nicht anders. Mehrfach fällt „Enttäuschend“, als der Finanzchef die vorläufige Bilanz von Air Berlin vorstellt. Vorläufig, weil der neue Konzernchef Stefan Pichler sich des Restrukturierungspakets noch einmal annehmen will. Das hat Folgen für den Verlust der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft nach der Lufthansa. Daran, dass die Zahlen schlecht ausfallen, wird das allerdings wenig ändern. Immerhin ist der Ausblick verhalten positiv.

Air Berlin setzte 2014 rund 4,16 Milliarden Euro um, 0,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor – aus Sicht Hüttmeyers enttäuschend. Das Unternehmen habe die Zahl der Sitzplätze um 2,5 Prozent auf rund 40 Millionen erhöht. Die Zahl der Fluggäste sei aber nur um 0,6 Prozent gestiegen. Entsprechend sei der Sitzladefaktor, der die Auslastung angibt, gesunken – enttäuschend.

Der operative Verlust wird Hüttmeyer zufolge zwischen 278,8 und 303,8 Millionen Euro liegen. Ein Jahr zuvor hatte das Minus 231,9 Millionen Euro betragen. Unter dem Strich wird das Unternehmen 361,7 bis 386,7 Millionen Euro Verlust ausweisen. Ein Rekordwert. Enttäuschend, auch wenn Hüttmeyer das Wort hier nicht gebrauchte. 2013 waren 315,5 Millionen Euro Verlust angefallen.

Vor allem die harte Konkurrenz und Überkapazitäten im Ferienfluggeschäft machten Air Berlin schwer zu schaffen. Zudem belasteten hohe Aufwendungen für den Umbau das Unternehmen. Auch die Schulden haben zugenommen. Ende vergangenen Jahres seien es 810 Millionen Euro gewesen, sagte Hüttmeyer. 14 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Immerhin habe man die Kosten um mehr als vier Prozent drücken können.

Air Berlin steckt vor allem wegen eines übereilten Expansionskurses vor Jahren tief in der Krise. Die arabische Fluggesellschaft Etihad kaufte 2011 knapp 30 Prozent der Aktien und hält die Berliner seither mit Finanzspritzen in der Luft. Mittlerweile ist Pichler der dritte Chef, der versucht, das Unternehmen zurück in die Gewinnzone zu bringen. Er sieht in einigen Bereichen immer noch „erhebliches“ Verbesserungspotenzial. „Ich bin aber optimistisch, dass wir unsere Firma drehen können.“

2015 soll sich das Ergebnis spürbar verbessern. Pichler plant für 2016 operativ mit schwarzen Zahlen. Anfang März hatte er einen neuen Billigtarif und mehr Angebote für Geschäftsreisende angekündigt. In drei Phasen sollen nun Management und Vertrieb umgebaut werden. Pichler will das Flugangebot stärker auf ertragreiche Strecken ausrichten und die Drehkreuze wie Düsseldorf und Berlin ausbauen.

Auch sollen die Erlöse durch besseres Management der Sitzplätze steigen – Air Berlin will mehr Tickets zu höheren Preisen verkaufen. Zudem will Air Berlin die Kundenzufriedenheit verbessern. Im Juni startet die neue Serviceoffensive. Alle Kundenanfragen und Beschwerden sollen dann binnen sieben Werktagen bearbeitet werden. Innerhalb von 24 Stunden bekommt der Kunde künftig eine Rückmeldung.

Die komplette Kurz- und Mittelstreckenflotte wird auf Airbus A320 umgestellt. So sollen Wartungs- und Schulungskosten sinken. Pichler kündigte auch eine neue Unternehmensstruktur an, ohne allerdings Einzelheiten zu nennen.

Die Reformen scheinen bereits zu greifen. Im ersten Quartal werde das bereinigte operative Ergebnis um etwa 25 Millionen Euro besser ausfallen als vor einem Jahr, sagte Finanzchef Hüttmeyer. Damals betrug der Verlust 182,8 Millionen Euro.

( mit eag )