Verkehr

Testfeld Berlin

Die Zahl der Projekte zur Elektromobilität wächst aber, die Zahl der Arbeitsplätze auch. Amerikaner planen neue Investitionen

Da kommt also ein Amerikaner und erklärt Berlin zum idealen Testfeld für den Verkehr von morgen. John B. Rogers, Chef des alternativen Fahrzeugbauers Local Motors, hat ein gewisses Eigeninteresse: Sein Unternehmen versucht gerade, außerhalb der USA Geschäft aufzubauen. Und Rogers hat die deutsche Hauptstadt als sehr guten Startpunkt entdeckt. Die Vielfalt zum Beispiel hat es ihm angetan, ein recht gutes öffentliches Nahverkehrssystem, viele Radfahrer, Autofahrer – und eine quirlige, kreative Metropole. Jetzt sucht er mithilfe vieler Internetnutzer etwas, was ideal zum Berliner Verkehr 2030 passt – und dem Unternehmen die Chance für ein erfolgreiches Produkt eröffnet.

80 Projekte in der Stadt

Gernot Lobenberg ist in Sachen Mobilität einer derjenigen, der steuert, was so alles getestet wird. Zum Beispiel, ob es sinnvoll und praktikabel ist, Waren vom Westhafen aus mit einem elektrisch angetriebenen 40-Tonner durch die Stadt zu transportieren. Lobenberg leitet die Berliner Agentur für Elektromobilität, die solche Projekte koordiniert. Insgesamt 80 sind es im vergangenen Jahr gewesen. 50 weitere sollen noch hinzukommen. 51 Partner der Industrie, von Bosch über Gasag, Nokia und Siemens bis Berliner Volksbank.

Seit April 2012 ist die Hauptstadtregion eines von vier Schaufenstern der Elektromobilität in Deutschland, wie die Bundesregierung die Testregionen offiziell getauft hat. In Berlin testet VW zum Beispiel seit kurzem, wie sich elektrisch betriebene Fahrzeuge als Taxis eignen. Zwei reine E-Golf und vier mit sogenanntem Hybridantrieb, bei dem Elektro- und Verbrennermotor eingebaut sind, sind auf Berlins Straßen unterwegs. Citroen testet mit inzwischen 250 Elektroautos das Carsharing. BMW baut in Spandau einen Elektromotorrad. Andere Firmen beschäftigen sich mit intelligenter Ladesteuerung, Motoren für Elektrofarräder, Antriebssträngen für E-Autos.

Insgesamt hätten Unternehmen im vergangenen Jahr rund 20 Millionen Euro in das Thema E-Mobilität investiert, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) am Mittwoch bei der dritten Hauptstadtkonferenz Elektromobilität im Roten Rathaus. Rund 1000 Mitarbeiter seien in diesem speziellen Feld beschäftigt. Das klinge erst einmal nicht viel, beinhalte aber ein Plus von zehn Prozent binnen eines Jahres.

Es geschieht offenbar einiges in diesem Bereich, allein war davon bisher nicht so viel im Stadtbild zu sehen, auch wenn derzeit mehr als 2000 Elektrofahrzeuge auf Berlins Straßen unterwegs sind und die Zahl der öffentlich zugängigen Ladepunkte um 100 auf 500 gestiegen ist, wie Lobenberg sagt. Zu diesem Ergebnis ist auch die Emo gekommen. „Wir haben bisher zu wenig Menschen erreicht", sagte Lobenberg und kündigte eine Werbeoffensive an.

So ist vorgesehen, zehn Autos jeweils zehn Tage lang von Prominenten und normalen Berlinern testen zu lassen, die darüber berichten sollen, etwa in Internettagebüchern. An Orten, an denen es besonders viel im Elektromobilität geht, werden überdimensionierte Stecker als Informationssäulen aufgestellt. Außerdem verstärkt die Emo die Arbeit auf den sozialen Netzwerken. Von den Autoherstellern wünschte sich Lobenberg günstigere Preise für Elektroautos, um sie bei der breiten Masse attraktiver zu machen, von der Politik Sonderabschreibungen, etwa wenn Firmen ihre Flotten auf E-Antriebe umstellen wollten. Gerade hier sieht Lobenberg noch Potenzial. Ein Emo-Projekt, unterstützt mit Zuschüssen des Bundes, soll 500 E-Fahrzeuge in gewerbliche Fuhrparks bringen.

Erstes Auto aus dem 3D-Drucker

Zudem werden bis 2016 weitere 400 Ladesäulen im Stadtgebiet aufgestellt, bis 2020 kommen noch einmal 700 dazu. Als weitere Themen der nächsten Jahre nannte Lobenberg noch autonomes Fahren, intelligente Speichersteuerung, per Internet vernetzte Fahrzeuge. Es gibt also viel, was in Sachen Elektromobilität ausprobiert werden könnte. Und das lockt Unternehmen wie Local Motors an. In den USA befasst sich Rogers’ Firma intensiv auch mit Elektromobilität, zuletzt überraschte es mit dem ersten Auto aus einem 3D-Drucker, wobei der Antrieb aus einem Elektrofahrzeug von Renault stammte. Derzeit arbeiten die Amerikaner an einem gedruckten Serienfahrzeug, für das sie einen Markt sehen. Das ist für Berlin 2030 vielleicht die richtige Lösung, vielleicht auch nicht. Local Motors hat jedenfalls seine Nutzergemeinde gebeten, sich Gedanken zu machen. Die besten Ideen werden ausgezeichnet und vielleicht gebaut. Erste Ergebnisse wird es wohl im Juni geben.