Tarifkonflikt

Pilotenstreik Nr. 12

Vereinigung Cockpit kündigt Ausstand bis mindestens Freitag an

Im Tarifkonflikt der Lufthansa mit ihren Piloten ist ein Ende der Streiks nicht absehbar. Die Vereinigung Cockpit (VC) kündigte weitere Arbeitsniederlegungen an. „Wir werden sicherlich nicht am Stück wochenlang streiken, aber wir werden den Druck auf das Management erhöhen müssen“, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Die Airline warf der Pilotenvereinigung ihrerseits mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Nach einem deutschlandweiten Ausstand auf der Kurz- und Mittelstrecke am Mittwoch sollen an diesem Donnerstag die Langstreckenflüge sowie Frachtflüge von Lufthansa Cargo bestreikt werden. Und für Freitag kündigte Cockpit an, Kurz- und Mittelstreckenflüge zu bestreiken.

Die Lufthansa nannte die Ausweitung der Streiks vollends unverständlich. „Anstatt an tragfähigen Lösungen zu arbeiten, fügt die VC nun weltweit unseren Kunden Schaden zu“, sagte ein Sprecher. Allein wegen des um Mitternacht begonnenen Streiks bei den Kurz- und Mittelstrecken fielen der Lufthansa zufolge am Mittwoch rund die Hälfte der 1400 geplanten Flüge aus, etwa 80.000 Passagiere seien betroffen. In Berlin-Tegel hatte Lufthansa 50 Flüge von und nach Frankfurt und München gestrichen. Es gab lediglich drei Flüge von und nach Frankfurt sowie zwei von und nach München.

Die Lufthansa forderte die Gewerkschaft erneut auf, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Pilotenvereinigung verlangte ihrerseits ein konkretes Angebot von der Lufthansa. Es handele sich um eine Grundsatzauseinandersetzung. „Wir sind nicht bereit, eine Tarifpolitik nach Gutsherrenart zu akzeptieren“, sagte der Gewerkschaftssprecher. Einen neuen Gesprächstermin gibt es laut VC nicht.

Bei der Lufthansa sind derzeit sechs Tarifverträge offen, darunter die Frage der Vergütung und der Altersvorsorge. Kern des Konflikts ist aber die sogenannte Übergangsversorgung, die die Frühverrentung der Piloten regelt. Die Gewerkschaft hält der Lufthansa vor, sich im Kernpunkt seit mehr als einen Jahr nicht bewegt zu haben. Die Fluglinie argumentiert damit, auch für künftige Mitarbeiter sei ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Flugdienst möglich. Allerdings will das Unternehmen die Kosten dafür nicht weiter tragen. Die Beiträge dafür sollen die neu eingestellten Mitarbeiter selbst zurückstellen. Die Gewerkschaft sieht darin eine Spaltung der Belegschaft.

Auch bei der Frühverrentung der übrigen Piloten will die Lufthansa sparen. Bislang konnten die Flugzeugführer mit 55 Jahren aufhören und gingen im Schnitt mit 59 Jahren in Pension. Das Management der Kranich-Airline will dieses Alter auf 61 erhöhen. Die Gewerkschaft fordert die Beibehaltungen der alten Regelung für die 5400 Lufthansa-Flugzeugführer. Cockpit schlägt ein Schlichtungsverfahren vor.