Hochschulentwicklung

Deutschland steht beim Onlinestudium noch am Anfang

Was man nicht alles im Internet lernen kann. Unfallchirurgie zum Beispiel an der Technischen Universität München. Neugierig? Kann sofort losgehen. Abi? Braucht man nicht. Uni für alle. Doch das Onlinestudium ist bisher ein Programm der Eliten für die Eliten. Die wenigen deutschen Hochschulen, die es anbieten, zählen zu den großen.

Laut einer neuen Studie des HIS-Instituts für Hochschulentwicklung bieten nur 16 Prozent der deutschen Hochschulen Onlinekurse an. Ein weiteres Sechstel will dies künftig tun. Kein Studiengang in Deutschland kann derzeit inklusive Prüfung komplett online studiert werden. Onlinekurse ersetzen einzelne Veranstaltungen oder dienen der studienbegleitenden Weiterbildung. Ein Blick auf die Angebote zeigt, dass darunter viele Einführungsveranstaltungen sind. Sie sind vielen Professoren lästig, und die Studenten stehen sich dort meist auf den Füßen.

Kapazitätsgründe oder pädagogisches Sendungsbewusstsein sind jedoch nur eine Facette. Wichtiger für die Unis ist die Botschaft: „Wir sind ganz vorne mit dabei.“ Es geht ums Prestige. Nicht umsonst lädt die TU München ihre Materialien auf die Plattformen, die die amerikanischen Spitzen-Unis aufgebaut haben. Das garantiert weltweite Verbreitung. Und es kostet. Wir gehen davon aus, dass ein Kursus in der Erstellung zwischen 50.000 und 500.000 Euro kostet. Ein Sparprogramm ist das nicht“, sagt Elmar Schultz von der Hochschulrektorenkonferenz. Es braucht Dozenten, TV-Studios, Kameraleute, Cutter, Informatiker, Grafiker. Soll der Kurs interaktiv sein, muss der Dozent auch nach Ende der Produktion mit Rat und Tat zur Seite stehen, muss Live-Chats bieten oder Mails beantworten. Viele Professoren scheuen den Aufwand. „Das sind meist Einzelprojekte interessierter Kolleginnen und Kollegen.“

Da die wenigsten Unis selbst Filmstudios haben, gibt es Dienstleister wie etwa Lecturio aus Leipzig oder Iversity. Lecturio kooperiert mit rund zehn Hochschulen und Bildungsinstitutionen, die für die Onlinekurse Zertifikate ausstellen. Theoretisch kann man so bis zum Bachelor von zu Hause aus studieren und etwa Wirtschaftsjurist werden, ohne im Hörsaal gewesen zu sein. Praktisch aber müssen die Prüfungen noch an den Hochschulen abgelegt werden, bisweilen gibt es Präsenzveranstaltungen. „Komplette Onlinestudiengänge sehe ich nicht am Horizont“, sagt Elmar Schultz.

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