Gesundheit

Grippewelle kostet Deutschland mehr als zwei Milliarden Euro

Die heftige Grippewelle sorgt nicht nur für überfüllte Wartezimmer und ausgedünnte Belegschaften.

Auch gesamtwirtschaftlich macht sich die Epidemie bemerkbar. Das geht aus Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegen. Demnach könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal durch die aktuelle Grippewelle um 0,3 Prozent zurückgehen. Das entspricht einem volkswirtschaftlichen Schaden von etwa 2,2 Milliarden Euro. Damit liegt der erwartete Effekt am oberen Ende dessen, was in „normalen“ Grippejahren von Arbeitnehmern erwartet wird.

„Die Influenza zählt zu den Krankheiten, die einen relativ großen wirtschaftlichen Effekt haben, weil sich viele Leute anstecken und sich viele Arbeitnehmer krankmelden. Es wird weniger konsumiert und produziert. All das belastet das BIP“, sagt Torsten Schmidt, Konjunkturexperte beim Wirtschaftsinstitut RWI. Allerdings ist dieser angenommene wirtschaftliche Schaden immer noch weit von dem entfernt, was im Fall einer echten Pandemie mit Hunderttausenden Erkrankten und vielleicht sogar Todesfällen drohen könnte. In einer früheren Studie hatte das RWI die ökonomischen Folgen eines solchen Szenarios einst mit 25 bis 75 Milliarden Euro beziffert.

Massenimpfung ist teuer

Angesichts der hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten, die selbst eine normale Grippewelle verursacht, empfehlen nicht nur Mediziner eine vorbeugende Impfung. Nach Berechnungen des RWI könnte eine flächendeckende Impfung der Bevölkerung die jährliche Belastung durch eine Grippewelle mit ihren Folgeerscheinungen deutlich senken, nämlich auf nur noch 0,12 Prozent des BIP oder 880 Millionen Euro. Positiv schlägt in diesem Szenario dabei zu Buche, dass sich durch eine deutschlandweite Impfung nicht nur Ausfälle bei Konsum und Produktion vermeiden lassen, sondern auch deutlich weniger schwere Krankheitsfälle mit hohem Behandlungsbedarf auftreten. Dem gegenüber stehen allerdings die gesamtwirtschaftlichen Kosten einer solchen massenhaften Impfung.

„Eine fast komplette Durchimpfung der Gesamtbevölkerung ist im Fall der Influenza zum Beispiel gar nicht nötig, weil die Grippe zwar ansteckend ist, aber längst nicht so sehr wie zum Beispiel die ebenfalls derzeit regional grassierenden Masern“, sagt Rafael Mikolajczyk, Epidemiologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Unterdessen hat sich die Zahl der gemeldeten Influenza-Infektionen in Deutschland weiter erhöht. „Die aktuelle Grippewelle ist sicherlich eine der schwereren der vergangenen Jahre“, sagte eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts.