Lärm

Flüsterbremse für 5500 Güterwaggons

Deutsche Bahn rüstet ein Drittel der Flotte um. Ab 2020 gilt Fahrverbot für laute Wagen

Für einen besseren Lärmschutz der Anwohner an Gleisstrecken will die Deutsche Bahn in diesem Jahr weitere 5500 Güterwaggons mit der „Flüsterbremse“ ausrüsten. Bis Jahresende sollen damit insgesamt 20.000 Waggons – das ist ein Drittel der Flotte – der Bahntochter Schenker Rail mit den besonders leisen Bremsanlagen ausgestattet sein, kündigte Bahnchef Rüdiger Grube am Dienstag in Berlin an. Mit der vom Bund geförderten Modernisierung soll der Lärm, den Schienenfahrzeuge bei der Fahrt erzeugen, bis 2020 im Vergleich zum Jahr 2000 halbiert werden. „An diesem Ziel wird nicht mehr gerüttelt“, sagte Grube.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigte, dass Güterwaggons ohne die leiseren Bremsen ab 2020 nicht mehr auf dem deutschen Schienennetz fahren dürfen. Ein entsprechendes Gesetz werde derzeit vorbereitet. Auch der passive Lärmschutz an den Gleisen soll verbessert werden. Demnach gelten für Neubaustrecken bereits in diesem Jahr strengere Grenzwerte. Für die Sanierung bestehender Strecken erhöht die Bund seine Mittel um 30 Prozent auf 130 Millionen Euro.

Vom Lärmsanierungsprogramm des Bundes profitiert auch Berlin. Sieben Streckenabschnitte mit gut 23 Kilometern Länge wurden bislang fertiggestellt, drei Bereiche mit 42 Einzelabschnitten stehen noch aus. Als besonders lärmgeplagt gelten der Nordosten und der Südwesten der Stadt. So fahren über die sogenannte Stettiner Bahn täglich mehr als 20 Güterzüge. Als besonders laut werden von den Anwohner dabei die Züge mit Kesselwagen empfunden, die leer zur Erdölraffinerie nach Schwedt zurückfahren. Die oft jahrzehntealten Waggons gehören aber fast ausschließlich nicht der Deutschen Bahn, sondern privaten Eisenbahnen, die bislang deutlich weniger als die DB in leise Bremsen investieren.

Um über ihre Aktivitäten besser zu informieren, hat die Bahn am Dienstag in Berlin einen „InfoPunkt Lärmschutz“ eröffnet. In der als „Time Lab“ bezeichneten Einrichtung am Heinrich-Hertz-Institut am Einsteinufer in Charlottenburg können bis zu 20 Besucher gleichzeitig erleben, welche Effekte unterschiedlich Lärmschutzmaßnahmen wie zum Beispiel Wände neben den Gleisen oder Güterzüge mit Flüsterbremse haben. Das Angebot richtet sich zunächst an politische Parteien, Institutionen, Umweltverbände und Bürgerinitiativen. Interessenten können mit der Bahn per Mail (Adresse: db-umweltzentrum@deutschebahn.com) Kontakt aufnehmen, um einen Besuchstermin zu vereinbaren.