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Karstadt-Beschäftigte bekommen im Frühjahr die Kündigungen

Mitarbeiter der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt müssen offenbar schon bald mit ersten Kündigungen rechnen.

„Ab März kann es passieren“, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi auf Anfrage am Dienstag. Die Kündigungen müssten allerdings zuvor mit den örtlichen Betriebsräten abgestimmt werden. Welche Standorte zuerst betroffen seien, sagte die Sprecherin nicht. Auch Karstadt äußerte sich dazu zunächst nicht.

Verdi bestätigte zudem, dass die Höhe der Abfindungen für die betroffenen Mitarbeiter feststehe. Die Abfindungen sollen ein halbes Bruttogehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit betragen. Die Obergrenze für Abfindungen liege bundesweit bei 18 Bruttomonatsgehältern. Eine Verkäuferin in Nordrhein-Westfalen erhalte maximal 40.464 Euro Abfindung.

Karstadt und Verdi kamen am Dienstag zu neuen Tarifverhandlungen zusammen, vertagten sich am Abend aber ergebnislos. Knackpunkte sind mögliche Einschnitte bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Rückkehr zur Tarifbindung. Die Gewerkschaft will eine Verlängerung der „Tarifpause“ verhindern, genauso wie Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Unter dem ehemaligen Eigner Nicolas Berggruen war Karstadt 2013 aus der Tarifbindung für den Einzelhandel ausgestiegen. Bis 2015 entfielen dadurch für die rund 17.000 Mitarbeiter der Warenhauskette Gehaltserhöhungen, die durch Tarifverträge vereinbart werden. Nach Rechnung der Gewerkschaft sind den Beschäftigten dadurch rund 50 Millionen Euro an Tarifsteigerungen entgangen. Die müssten nachgezahlt werden, forderte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi, Arno Peukes.

Im Vorfeld der Verhandlungen präzisierte die Gewerkschaft zudem die geplanten Stellenstreichungen bei Karstadt. Für den Personalabbau bei Karstadt hatten die Tarifpartner einen Kompromiss vereinbart: Rund 1000 Jobs seien bereits auf freiwilliger Basis über Altersteilzeit und Frühverrentung weggefallen. Insgesamt sollen bundesweit 2400 Stellen abgebaut werden – 350 weniger als ursprünglich von Karstadt geplant. Den gekündigten Karstadt-Beschäftigten stehe die Möglichkeit einer Transfergesellschaft bis Ende Februar nächsten Jahres offen.