Banken

Das Millionen-Konto des HSBC-Chefs

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Stuart Gulliver soll Bonuszahlungen in die Schweiz überwiesen haben

2015 sollte für HSBC ein freudiges Jahr werden, die zweitgrößte Bank der Welt feiert ihren 150. Geburtstag. Doch von Freude kann derzeit keine Rede sein, ein Steuerskandal setzt der Hongkong Shanghai Banking Corporation heftig zu. Die Bank soll über ihre Privatbank in der Schweiz Anfang 2000 Tausenden Kunden beim Vermeiden und Hinterziehen von Steuern geholfen haben. Seit Montag steht auch Chef Stuart Gulliver in der Kritik. Nach Recherchen des „Guardian“ hatte er seine Boni über Jahre auf einem Konto in der Schweiz gelagert.

Dementsprechend kurz kamen am Morgen die Ergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr 2014. Der Einbruch beim Vorsteuergewinn um 17 Prozent auf 18,68 Milliarden Dollar spielte nur eine untergeordnete Rolle, als sich Chief Executive Gulliver, Aufsichtsratschef Douglas Flint und Finanzchef Iain Mackay den Journalisten stellten. Noch bevor er die Bilanz erklärte, entschuldigte sich Stuart Gulliver für den Schweizer Steuerskandal: „Unser Schweizer Geschäft hat die Standards nicht erfüllt, die wir für unser weltweites Geschäft haben“, sagte er. Die Praktiken in der Schweizer Privatbank seien eine „Quelle der Scham“: „Schande wäre das passende Wort“, sagte der 55-Jährige. Wie berichtet, hatten auch Dutzende Berliner bei der Großbank Schwarzgeld angelegt, um Steuern zu hinterziehen.

Kontrollen reichen nicht aus

Gulliver sagte, das starke Wachstum der Bank sei ein Grund für die mangelnden Kontrollen gewesen. HSBC hatte die Zahl der Mitarbeiter in den 80er-Jahren von wenigen Zehntausend auf zwischenzeitlich mehr als 300.000 gesteigert. „Wir hatten keine ausreichend starken Kontrollen. Das soll keine Entschuldigung sein“, sagte Gulliver. Gleichzeitig wies er jedoch einen Teil der Kritik zurück. „Als börsennotiertes Unternehmen werden wir an strikteren Maßstäben gemessen als die Kirche oder die Armee. Ich kann nicht kontrollieren, was jeder meiner Mitarbeiter jeden Tag tut.“

Der „Guardian“ hatte zuvor öffentlich gemacht, dass Gulliver sein Konto in der Schweiz über eine in Panama registrierte Firma kontrollierte. Gulliver bestätigte dies und sagte zur Erklärung: „In den 90er-Jahren konnte man in Hongkong als Bankangestellter im System gucken, wie viele Boni die Kollegen bekamen. Um das zu verhindern, gründeten viele ein Konto bei einer HSBC-Niederlassung außerhalb Hongkongs.“ Aus diesem Grund habe er ein Konto in der Schweiz eröffnet. Die in Panama registrierte Firma habe einen ähnlichen Zweck erfüllt: „Sie schützte mich vor den Mitarbeitern in der Schweiz und in Hongkong. Ich habe dadurch keine steuerlichen Vorteile gehabt, ich habe den Panama-Vertrag nicht mehr“, sagte er.

Aufsichtsratschef Flint sagte, es gebe keinen Anlass zu glauben, dass der Chief Executive sich nicht transparent verhalten habe. Obwohl die Zeitung nicht behauptet hatte, dass Gulliver illegal gehandelt hatte, wirft das Schweizer Konto kein gutes Licht auf die Bank und ihren Chef.