Gründerzeit

Der Traum von einem deutschen Silicon Valley

Jürgen Stüber über einen Versuch, privates Kapital und Gründer enger zu vernetzen

Im Facebook-Jargon könnte man die Beziehung der alten und der neuen Wirtschaft wohl am ehesten mit „It’s complicated“ beschreiben. Man kennt sich nicht, weiß wenig voneinander, spricht verschiedene Sprachen, misstraut den Prinzipien des anderen.

Dieses Spannungsfeld aufzulösen hat sich eine Initiative der Finanzberatung Parklane Capital und der Deutsche Oppenheim Family Office AG vorgenommen. Letztere ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank, verwaltet ein Vermögen von zehn Milliarden Euro, das 100 Mandanten gehört. Die Vermögensverwaltung nennt sich selbst „das größte vermögensverwaltende deutsche Multi Family Office“ und gilt als einer der führenden Anbieter in Europa.

Parklane hat jetzt die exklusive Veranstaltungsreihe „Technology Return“ gestartet. Sie hat den Anspruch, führende Gründer der Digitalwirtschaft mit Familienunternehmern und ihren Family Offices zu vernetzen. Im exklusiven Kreis wird über die Auswirkungen der Digitalisierung und deren Zukunftschancen gesprochen. Bei einem ersten Treffen saßen Start-ups mit einem Gesamtumsatz von über zwei Milliarden Euro und Family Offices mit über 30 Milliarden Euro Vermögen an einem Tisch.

Christoph Schäfer, Gründer der Online-Media-Agentur Performance Media, sprach über den Verkauf seines Unternehmens für einen dreistelligen Millionenbetrag. Weitere Referenten waren Hubertus Bessau (Mitgründer MyMüsli), Carsten van Husen (CEO des Online-Spielevermarkters Gameforge), Konstantin Urban (Mitgründer windeln.de) und Carlo Kölzer (CEO des FinTech-Startups 360 Treasury Systems). „Wir wollen das Verständnis dafür schaffen, wie mit der Digitalisierung Geld zu verdienen ist“, sagt Jens Nolden, Partner bei Parklane Capital.

Erfolgsgeschichten wie der Verkauf des Unternehmens Performance Media sind da willkommen. Parklane hatte den erfolgreichsten Verkauf eines Online-Werbungsunternehmens in Deutschland im vergangenen Jahr begleitet. Das Private-Equity-Haus Equistone Partners hatte das Unternehmen zusammen mit drei weiteren aus der AdTech-Branche übernommen.

Oft sind die Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft für Vertreter der Old Economy schwer nachvollziehbar. Das Risiko ist hoch. Und der deutsche Kapitalmarkt ist immer noch traumatisiert vom Zerplatzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, als überbewertete Internetfirmen reihenweise umkippten und Investoren Milliarden verloren. Deshalb investieren deutsche Family Offices lieber in ein Bürohochhaus oder eine Schraubenfabrik. Da weiß man, auf was man sich einlässt.

„Wir brauchen ein deutsches Silicon Valley“, sagt Nolden. „Doch wir haben eine andere Kapitalmarktstruktur“, beklagt der Experte. „Im deutschen Markt ist zu wenig Kapital.“ Zwar hat sich die Kapitalausstattung deutscher Start-ups mit erfolgversprechenden Geschäftsmodellen gebessert. Doch dieses Kapital kommt größtenteils aus den USA, und dorthin wandern dann auch die Unternehmensanteile der deutschen Gründungen. Diesen Trend würde Nolden gerne umkehren, um Deutschland somit zu einem Standort nachhaltiger Innovationen zu machen.

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