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So rechnet sich der Fahrdienst Uber seine Zukunft schön

Hartnäckig ist Travis Kalanick, der Chef des Fahrdienstvermittlers Uber, ohne Zweifel.

Auf den wachsenden Widerstand gegenüber dem US-Start-up und seinen Chauffeuren reagiert er mit immer neuen Geschäftsideen, Angeboten und Gegenattacken. Weltweit hagelt es Kritik, Klagen und Verbote des Taxikonkurrenten, doch Uber macht weiter. Aber gerade Deutschland ist für Uber ein hartes Pflaster, dort sind die Skeptiker in der Überzahl. Nun soll ein Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin für einen Stimmungsumschwung hierzulande sorgen.

Das Ergebnis der Studie im Auftrag des Fahrdienstvermittlers dürfte ganz nach dessen Geschmack sein. Denn Uber verkauft sich als visionäres Unternehmen mit dem Ziel einer schöneren, sicheren Welt, in der es mehr Angebot für weniger Geld gibt. Die Studie der DIW-Tochter Econ zählt zahlreiche Vorteile für die Kunden auf – könnte Uber hierzulande ungebremst unterwegs sein.

Die Tatsache, dass sich Fahrer und Fahrgäste bei Vermittlern wie Uber bewerten können, habe „einen enormen Effekt auf die Transparenz des gesamten Marktes“. Sie wirke auf beiden Seiten disziplinierend. Die „ökologischen Aspekte“ werden von der Studie ebenfalls herausgehoben: „Car- und Ridesharing-Angebote können dazu führen, dass weniger Autos gekauft werden bzw. weniger Autos in den Städten unterwegs sind, was sich insgesamt positiv auf das Klima auswirkt.“ Regelmäßige Nutzer von Bussen und Bahnen würden ebenfalls von den Angeboten der Fahrdienste profitieren. „Des Weiteren kann durch preisgünstige Angebote die Mobilität vor allem dort verbessert werden, wo der ÖPNV aufgrund der hohen Kosten nur schlecht ausgebaut ist“, schreiben die Autoren. „Es ist daher anzunehmen, dass Verbraucher insbesondere abends, am Wochenende und in Randbezirken von neuen, preisgünstigen Mobilitätsangeboten profitieren.“

Am meisten ins Detail geht die Studie bei den Kostenvorteilen der Fahrdienstvermittler gegenüber den etablierten Taxen. Berechnet werden sie anhand der Konsumentenrente, der Differenz aus dem Preis, den ein Kunde zu zahlen bereit ist (Reservationspreis) und dem Preis, den der Konsument aufgrund der Marktverhältnisse zahlen muss (Marktpreis).

Keine kritischen Anmerkungen

Im Falle einer Ausbreitung des Geschäfts von Fahrdienstvermittlern kommt das DIW zu dem Ergebnis, dass aufgrund der Kombination von günstigeren Tarifen von Uber und anderen Anbietern sowie erwarteten Preissenkungen der Taxibranche die Menschen in einer Stadt wie Berlin 48,69 Millionen Euro im Jahr sparen können. Das allerdings nur bei einem Marktanteil von 20 Prozent, bei fünf Prozent wären es nur rund 29 Millionen Euro. In kleineren Städten fiele das Einsparvolumen geringer aus. Am Ende könnte die Konsumentenrente in den fünf Städten, in denen Uber derzeit aktiv ist (Berlin, Hamburg, Düsseldorf, München, Frankfurt) pro Jahr und Einwohner zwischen 7,74 Euro (Düsseldorf) und 15,88 Euro (München) liegen.

Zweifel an der Studie kommen allerdings wegen des Mangels jeglicher kritischer Untertöne oder von Hinweisen auf die Nachteile oder Risiken bei Geschäftsmodellen wie dem von Uber auf. Und wenig überzeugend sind die dargelegten Szenarien außerdem, weil die Realität eine andere ist: Denn all das, was vorgerechnet wird, kann nur wahr werden, wenn die Welt sich so wandelt, dass sie zum Uber-Kosmos passt. Wenn bestehende Gesetze nach dem Geschmack des US-Start-ups angepasst und blockierende Urteile kassiert werden. Wenn sich die Konkurrenz nahezu wehrlos den Kunden vom Sitz nehmen lässt. Bislang ist das Gegenteil der Fall.