Datendiebstahl

Geheimdienste stehlen Handy-Code

Snowden-Enthüllung: Schutz von Millionen SIM-Karten ausgehebelt

Amerikanische und britische Spione haben sich mit einem Hacker-Angriff beim weltgrößten SIM-Kartenhersteller potenziellen Zugang zum Gros der globalen Handy-Kommunikation verschafft. Das geht aus Dokumenten des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden hervor, wie die Webseite „The Intercept“ meldete. Die Operation des US-Geheimdienstes NSA und des britischen GCHQ sei so raffiniert gewesen, dass der angegriffene Konzern Gemalto erst jetzt davon erfahren habe.

Gemalto teilte am Freitag mit, es gehe dem Bericht nach und könne den Datendiebstahl zunächst nicht bestätigen. Der Konzern, der sich selbst als Weltmarktführer für digitale Sicherheit bezeichnet, habe bisher nicht gewusst, „dass diese Geheimdienste diese Operation durchgeführt haben.“

Der Diebstahl der Verschlüsselungscodes wird von Datenschützern mit dem des Generalschlüssels eines großen Hauses verglichen, der alle Türen öffnet. „Wenn man die Codes erst mal hat, ist das Entschlüsseln der Kommunikation trivial“, zitiert die Webseite den Cheftechniker der US-Bürgerrechtsorganisation ACLU, Christopher Soghoian. Eine Zustimmung oder Hilfe von Telekom-Unternehmen oder Behörden wird laut „Intercept“ nicht mehr benötigt.

In dem Artikel wird nicht der Vorwurf erhoben, dass die Geheimdienste davon Gebrauch gemacht haben. Dennoch dürfte die Geheimoperation Empörung auslösen. Sie verstärkt den Eindruck, dass amerikanische und britische Dienste dazu bereit sind, alles für die Erweiterung ihrer Überwachungsfähigkeiten zu tun – selbst wenn dafür Informationen von einer gesetzestreuen westlichen Firma gestohlen werden müssen.

Gemalto produziert SIM-Karten für Handys und Kreditkarten. Der Hauptsitz des multinationalen Konzerns befindet sich in Amsterdam. Zu den Kunden des Konzerns zählen AT&T, T-Mobile, Verizon und Spring, wie „The Intercept“ berichtete.

Die NSA äußerte sich zunächst nicht zu den Enthüllungen. Bei früheren Fällen hatten ehemalige Vertreter des Geheimdiensts erklärt, die USA müssten Terroristen und andere Gegner abhören, die über herkömmliche Netzwerke kommunizierten.