Wettbewerb

Rotes Licht für Kaiser’s-Verkauf

Kartellamt will die geplante Übernahme von rund 450 Filialen durch Edeka ablehnen

Die deutschen Wettbewerbshüter stellen sich quer bei dem Plan von Edeka, die 451 Kaiser’s-Supermärkte der Mülheimer Handelsgruppe Tengelmann zu übernehmen. „Das Vorhaben würde nach den bisherigen Ermittlungen des Bundeskartellamtes zu einer Verdichtung der ohnehin stark konzentrierten Marktstrukturen insbesondere in Berlin, München und einzelnen größeren Städten in Nordrhein-Westfalen führen“, sagte Amtspräsident Andreas Mundt am Dienstag. Das Veto wird als „vorläufige Einschätzung“ beschrieben, doch die Botschaft ist klar: Der Deal geht so, wie er beantragt ist, nicht durch.

Die Unternehmen müssen nun überlegen, wie sie mit dem Signal aus Bonn umgehen. Lassen sie den Antrag unverändert, folgt fast sicher die wettbewerbsrechtliche Untersagung. Die könnten sie gerichtlich auszuhebeln versuchen, doch die Erfolgaussichten wären gering. Die Juristen könnten auch versuchen, die Marktanalyse und Methodik des Kartellamts anzugreifen – ebenfalls mit ungewissem Ausgang. Dritte Möglichkeit: Zugeständnisse machen, die den Bedenken der Wettbewerbshüter Rechnung tragen.

Die Verhandlungen dürften hart werden. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub hatte bereits vor der wettbewerbsrechtlichen Anmeldung des geplanten Verkaufs im vergangenen Herbst vor den Folgen einer möglichen Untersagung gewarnt. Schlimmstenfalls drohe eine Schließung der Geschäfte: „Die Alternative ist, dass 16.000 Menschen keinen Arbeitsplatz mehr haben.“

Edeka und Tengelmann erhielten am Dienstag Zeit bis zum 26. Februar, um die 260 Seiten starke „vorläufige Einschätzung“ durchzuarbeiten und zu reagieren. Neben dem ausgedehnten Ladennetz mit seinen 16.000 Beschäftigten will Edeka von dem Mülheimer Familienunternehmen auch dessen Online-Tochter Tengelmann E-Stores GmbH mit den Portalen Plus.de und GartenXXL.de übernehmen.

Die Handelsketten reagierten zunächst vorsichtig. „Wir lesen jetzt erst einmal“, sagte eine Tengelmann-Sprecherin. Edeka lehnte eine inhaltliche Stellungnahme ebenfalls ab. Die Frist für eine abschließende Entscheidung des Kartellamts läuft am 6. März aus. Als wahrscheinliche Variante gilt, dass die Unternehmen nun eine Verlängerung dieser Frist beantragen und dann in Verhandlungen mit den Wettbewerbshütern über einen Kompromiss eintreten, etwa den Verkauf einzelner Laden-Pakete an Dritte. Das kann Monate in Anspruch nehmen.

Das Kartellamt listet eine ganze Reihe von Gründen auf, warum es die Übernahme untersagen will. Im Raum München und Berlin (150 Filialen) würde die Kaiser’s-Übernahme die Marktmacht von Edeka danach zementieren. Edekas Marktanteil würde hier jeweils um weit über zehn Prozentpunkte hochschnellen, heißt es. In vielen Regionen drohe ein Duopol: Nur noch das Spitzenduo Edeka und Rewe einschließlich ihrer Discount-Töchter Netto und Penny bleibe als Nahversorger mit einem hohen Anteil an Markenartikeln. Mundt will den Plan der großen Händler aus einem weiteren Grund nicht einfach durchwinken: „Auch bei der Beschaffung insbesondere von Markenartikeln würde der Vorsprung der Spitzengruppe, bestehend aus Edeka, Rewe und der Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl gegenüber ihren Wettbewerbern weiter steigen.“ Den Lebensmittel-Produzenten breche mit Kaiser’s eine der wenigen verbleibenden Absatzalternativen außerhalb dieser Spitzen-Gruppe weg.