Verbraucher

Bequem, aber teuer

Mit Abo-Diensten spart man sich das lästige Einkaufen. Aber die Verträge können finanzielle Risiken bergen

Wieder ein Stau auf dem Heimweg, wieder mit den Nerven am Ende. Und wieder keine Idee fürs Abendessen. Frau Aronsson tobte nicht zum ersten Mal, als sie abends erschöpft die Wohnung im schwedischen Stockholm betrat. Warum nicht einfach jemand Tüten mit frischen Lebensmitteln samt Rezept vor die Haustür stellen könne, fragte sie in Richtung Ehemann. Bei dem stieß ihr Lamento auf offene Ohren, die Idee mit den praktischen Tüten ließ Niklas Aronsson nicht mehr los.

Inzwischen beliefert sein Unternehmen „Linas Matkasse“ (Linas Einkaufstüte) in Schweden bereits rund 50.000 Kunden. Auch in Deutschland hat der Skandinavier mittlerweile einen Ableger unter dem Namen „Unsere Schlemmertüte“ an den Start gebracht. Einmal pro Woche bringt das Unternehmen seinen Kunden große braune Tüten mit Gemüse, Fleisch und Fisch samt passenden Rezepten.

Linas Futtertüten sind nicht alleine unterwegs: Onlineabos gibt es inzwischen wie Sand am Meer – für Pralinen, Socken, Müslis, Blumen, Zahnbürsten oder Kosmetika.

Nicht in Vorleistung gehen

Ingmar Böckmann, Referent beim Bundesverband E-Commerce und Onlinehandel, spricht angesichts der neuen Angebote bereits von einer „Renaissance des Abos“, vom „nächsten großen Ding“ im Onlinehandel. „Diese Abomodelle funktionieren besonders bei unbeliebten Produkten gut“, erklärt Böckmann. Socken, schwere Getränkekisten, klobige Packungen mit Klopapier und Reinigungsmittel einzukaufen, mache den wenigsten Menschen Spaß. Und je gestresster man sei, desto geringer sei auch der Lustfaktor bei der Beschaffung von Lebensmitteln und anderen Verbrauchsdingen des Alltags.

„Viele der Geschäftsmodelle überraschen jedoch“, warnt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die 30 Aboanbieter in einer Stichprobe getestet hat. Seine durchwachsene Bilanz: Einige Anbieter haben zumindest fragwürdige Geschäftsbedingungen. Auf jeden Fall sind sie deutlich teurer. Was nicht verwundert: Die Organisation des Abos, die Einkäufe und Lieferungen an die Kundenadresse müssen schließlich organisiert werden – inklusive Sprit, Lohn, Lohnnebenkosten und Steuern.

Oft müssen die Verbraucher auch in Vorleistung gehen. „Damit gehen Kunden enorm ins Risiko“, warnt Tryba. Denn die Qualität der Ware kennen die Kunden vor der Lieferung nicht und insbesondere bei Start-ups besteht das Risiko, Pleite zu gehen.

Neben den Zahlungsmodalitäten sollten Kunden auch Laufzeit, Kündigungsfrist und Preis-Leistungs-Verhältnis der Abos unter die Lupe nehmen. Dabei muss ihnen klar sein, dass die Anbieter Kosten für Versand und Verpackung natürlich in den Kaufpreis einberechnen.

Außerdem sollten Verbraucher auf eine konkrete und detaillierte Produktbeschreibung im Aboshop achten: Denn es gibt Zahnbürsten mit dickem oder dünnem Griff, mit harten oder weichen Borsten. Damit am Ende die richtige Bürste zu Hause ankommt, sollten die Waren so detailliert wie möglich beschrieben sein.

Trotz schwarzer Schafe: Die meisten der überprüften Anbieter konnten mit fairen Geschäftsbedingungen überzeugen. Denn einige der jungen Internetunternehmer haben nicht nur für eine Renaissance des Abonnements gesorgt, sondern auch für seine kundenfreundliche Revolution. So bietet rund die Hälfte der Anbieter neben dem starren Abo mit festen Laufzeiten ein sogenanntes Soft-Subscription-Modell an: Bei dieser Variante können Verbraucher ihr Abo jederzeit kündigen.

„Viele Kunden schätzen diese Flexibilität“, so Ingmar Böckmann vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Denn bei den herkömmlichen starren Abomodellen kann der Verbraucher nur innerhalb der ersten zwei Wochen aus dem Vertrag aussteigen, danach erst wieder zum Ende des Vertragszeitraums. Es sei denn, der Lieferant zeigt sich kulant oder spätere Lieferungen weichen – im negativen Sinne – deutlich von den ersten Lieferungen ab, wenn die Anbieter den Kunden also gezielt betrogen haben.

Das Problem: Der Gang vor Gericht lohnt sich bei den meist niedrigen Abokosten nicht und nachlassende Qualität ist oft nur schwer zu beweisen. Bei schnell verderblichen Lebensmitteln gibt es indes gar kein Widerrufsrecht. Gerade bei Lebensmittelabos sollten Verbraucher die Geschäftsbedingungen also genau prüfen, bevor sie sich langfristig binden.

Riskante Überraschungsboxen

Die Auslieferung von Gurken, Hecht und Steak stellt in der Regel kein Problem dar. Die meisten Lebensmittelversender verschicken ihre Essenspakete in großen Städten per Kühlkurier, in ländlichen Regionen rückt der Paketdienst dagegen häufig mit einer Kühlbox an. Da der aber meistens vormittags ausliefert, sollten Sie unter Umständen ihre Büroadresse als Lieferadresse angeben.

Große Wahlmöglichkeiten gibt es bei den meisten Essenstüten übrigens nicht: Zucchini, Blumenkohl oder Rosinen können Sie also nicht individuell aus Ihren Essenspaketen herauspicken. Beim Anbieter Kochhaus allerdings können die Kunden wöchentlich aus 20 Gerichten wählen. Bei den Anbietern Hellofresh und Kochzauber gibt es immerhin eine vegetarische Kochbox, bei Kommtessen eine Box mit Kindergerichten. Auf die Rezepte im Einzelnen haben die Kunden bei den letztgenannten Essenskisten allerdings keinen Einfluss.

Mit Enttäuschungen müssen Verbraucher auch bei sogenannten Überraschungsboxen rechnen. „Diese Boxen sind ein echter Blindflug, das sollte sich jeder gut überlegen“, sagt Verbraucherschützer Tryba.

Wer etwa monatliche Überraschungskisten voll mit Kosmetikpröbchen abonniert, muss sich darüber im Klaren sein, dass er nicht mit jeder Überraschung etwas anfangen kann.

Um die große Enttäuschung zu vermeiden, sollten Kunden bei Überraschungsangeboten zumindest einen Profilbogen ausfüllen können: Haarfarbe? Nageldesign? Hautbeschaffenheit? Denn: Wer einen hellen Teint hat, kann mit Make-up für dunkle Haut nichts anfangen, wer seine Nägel nicht lackiert, freut sich kaum über Lacke in den neuesten Farben – und Zwanzigjährige sind selten scharf auf Anti-Falten-Cremes.