Bilanz

Flugsparte drückt Bombardier tief in rote Zahlen

Gewinn im Bahngeschäft schrumpft. Umsatz wächst

Der Zug- und Flugzeugbauer Bombardier tauscht seine Führung nach schwacher Geschäftsentwicklung in der Flugzeugsparte aus. Ein geflopptes Privatjet-Projekt hat den kanadischen Konzern tief in die roten Zahlen befördert. Ohne die Zugsparte mit Sitz in Berlin wäre der Konzernverlust noch höher ausgefallen.

Vorstandschef Pierre Beaudoin, Enkelsohn von Firmengründer Joseph-Armand Bombardier, wechselte am Freitag in den Verwaltungsrat. Pierre ersetzte dort als Vorsitzender des Gremiums seinen Vater Laurent, der sich nach mehr als fünf Jahrzehnten an der Spitze des Unternehmens auf einen Ruheposten zurückzog. Neuer Präsident und Vorstandschef wurde Alain Bellemare, der zuletzt die Flugzeugsparte des US-Mischkonzerns United Technologies leitete, und nun vor allem die schwächelnde Flugzeugsparte wieder in den Griff bekommen soll.

Bereits vergangenen Monat hatte Bombardier angekündigt, dass die gescheiterte Entwicklung des „Learjet 85“ ein tiefes Loch in die Bilanz reißen werde. Mit dem Privatjet sollte ein neues Flaggschiff-Modell entstehen, doch es gab keine ausreichende Nachfrage für das Produkt. Im vierten Quartal verursachte dies Sonderkosten von 1,4 Milliarden Dollar (1,22 Milliarden Euro), zudem kostet er etwa 1000 Mitarbeiter die Jobs. Im Gesamtjahr betrug das Minus 995 Millionen Euro.

Produktion in Hennigsdorf

Das zweite wichtige Standbein neben dem Flugzeugbau, die Bahnsparte Bombardier Transportation, die ihre Zentrale in Berlin hat, schrieb dagegen schwarze Zahlen. Der Betriebsgewinn des größten Zugherstellers der Welt sank allerdings auf 429 (Vorjahr 505) Millionen Dollar. Ein Grund dafür waren Kosten für den Abbau von 900 Arbeitsplätzen weltweit. Dafür setzte das Unternehmen 2014 rund 9,6 Milliarden Dollar um, ein Plus im Vergleich zu 2013 von 9,7 Prozent. In Deutschland baut Bombardier in Hennigsdorf, Görlitz, Bautzen und Kassel Züge, Straßenbahnen und Lokomotiven. Das Unternehmen bewirbt sich auch um den Bau der neuen Berliner S-Bahn.

Im letzten Vierteljahr 2014 musste Bombardier deshalb einen Nettoverlust von 1,6 Milliarden Dollar verkraften. Im Gesamtjahr verbuchten die Kanadier einen Fehlbetrag von 1,2 Milliarden Dollar nach einem Gewinn von 572 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz stieg allerdings von 18,2 auf insgesamt 20,1 Milliarden Euro. Der Kurs der frei handelbaren Aktien des Konzerns brach nach der Nachricht um mehr als zehn Prozent ein. der Konzern beschäftigt weltweit rund 74.000 Mitarbeiter.