Serie: Steuern sparen

So geben sie Kursgewinne und Zinsen richtig an

Viele Steuerzahler müssen ihre Kapitalerträge in der „Anlage KAP“ eintragen. Für alle anderen kann es sich auch lohnen, das Formular freiwillig auszufüllen

Auch wenn mit der Abgeltungsteuer vieles einfach geworden ist: Um das Ausfüllen der „Anlage KAP“ kommen einige Anleger nicht herum. Zum Beispiel alle, die Kapitalerträge aus ausländischen Investments erhalten haben. Andere wiederum sollten ihre Kapitalerträge in der Steuererklärung auflisten, wenn sie kein Geld verschenken wollen. Etwa dann, wenn Anleger vergessen haben, ausreichend hohe Freistellungsaufträge zu stellen. Über die Steuererklärung können sie sich zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer zurückholen.

Freiwillig In den folgenden Fällen sollten Anleger ihre Kapitalerträge in der „Anlage KAP“ auflisten. Jeder, der darauf verzichtet, verschenkt Geld.

Steuerzahler mit einem geringen zu versteuernden Einkommen von unter 15.500 (Alleinstehende) oder 31.000 Euro (Verheiratete), sollten in ihrer Steuererklärung eine sogenannte Günstigerprüfung beantragen. Denn in diesen Fällen kann es günstiger sein, die Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz statt mit der Abgeltungsteuer zu versteuern. „In Betracht kommt diese Möglichkeit vor allem für Kinder, Studenten, Rentner oder Arbeitslose“, sagt Peter Kauth vom Onlineportal Steuerrat24.de. Die Günstigerprüfung beantragen Steuerzahler, indem sie alle Kapitalerträge und die einbehaltenen Steuern in der „Anlage KAP“ auflisten und in Zeile 4 eine 1 eintragen.

Die „Anlage KAP“ können Anleger auch ausfüllen, wenn sie der Meinung sind, dass das Kreditinstitut zu hohe Steuern einbehalten hat. Dies betrifft beispielsweise Anleger, die ihr Depot gewechselt haben. Sind der Bank die Anschaffungskosten nicht bekannt, werden diese auf Basis einer Ersatzbemessungsgrundlage berechnet. Das kann für Anleger ungünstig sein. Wenn die Beamten prüfen sollen, ob zu viele Steuern einbehalten wurden, trägt in der „Anlage KAP“ in Zeile 5 eine 1 ein, listet in den Zeilen 7 bis 13 die Angaben laut Steuerbescheinigung auf und daneben die Korrekturen. „Die Gründe für die Differenz sollten Steuerzahler erläutern und belegen“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg.

Jeder Anleger verfügt über einen Sparerpauschbetrag von 801 Euro (Alleinstehende) oder 1602 Euro (Verheiratete). Bis zu dieser Höhe bleiben Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne steuerfrei, wenn Anleger bei ihren Kreditinstituten ausreichend hohe Freistellungsaufträge gestellt haben. Wer dies versäumt hat, kann sich die zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer über die Steuererklärung zurückholen. Einfach die Kapitalerträge in die Zeilen 7 bis 11 eintragen.

In Zeile 12 gehört der Teil des Sparerpauschbetrags, der bereits genutzt wurde. Besonders Anleger, die ihr Geld bei mehreren Banken deponiert haben, sollten darauf achten, in der Summe den Sparerpauschbetrag von 801 oder 1602 Euro nicht zu überschreiten. Andernfalls müssen sie mit Fragen rechnen. Das Bundeszentralamt für Steuern ist über Freistellungsaufträge informiert.

Altersrentner sollten ihre Kapitalerträge immer in der „Anlage KAP“ auflisten. „Nur dann berücksichtigen die Beamten automatisch den Altersentlastungsbetrag“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Wer beispielsweise im vergangenen Jahr seinen 64. Geburtstag feierte – also in der Zeit vom 2. Januar 1950 bis 1. Januar 1951 geboren wurde – erhält ab 2015 zeitlebens einen Altersentlastungsbetrag von 24 Prozent der Einkünfte, maximal 1140 Euro (Teil 5).

Anleger, die mit ihren Anlagen Verluste gemacht haben, sollten ebenfalls die „Anlage KAP“ ausfüllen. Bereits im laufenden Jahr verrechnen die einzelnen Kreditinstitute Gewinne und Verluste des Anlegers miteinander. So werden weniger Abgeltungsteuer fällig. Bleibt unterm Strich ein Verlust, übertragen die Banken diesen in das folgende Jahr.

Anleger, die ihr Geld bei verschiedenen Instituten investiert haben, haben mitunter bei der einen Bank Gewinn und bei der anderen Verlust gemacht. „In diesem Fall sollten sich Anleger eine Verlustbescheinigung ausstellen lassen“, rät Rauhöft. Stichtag für den Antrag ist jeweils der 15. Dezember des Steuerjahres. Mit der Bescheinigung können Anleger ihre Verluste bei dem einen Institut mit Gewinnen bei dem anderen Institut verrechnen. Verluste aus Aktien können jedoch ausschließlich mit Gewinnen aus Aktien verrechnet werden.

Zudem gibt es seit 2014 eine Einschränkung bei der Verrechnung von Verlusten Altverluste, die aus dem Verkauf von Wertpapieren stammen, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, können nicht mehr mit aktuellen Gewinnen aus Wertpapierverkäufen verrechnet werden. Ab 2014 dürfen diese nur noch mit privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden („Anlage SO“).

Pflicht Einige Steuerzahler haben keine Wahl: Sie müssen die „Anlage KAP“ ausfüllen.

Wer vergessen hat zu beantragen, dass die Kreditinstitute mit der Abgeltungsteuer und Soli auch die Kirchensteuer einbehalten sollen, oder dem Hinweis der Bank widersprochen hat, muss dies in der Steuererklärung nachholen. Ein komplettes Ausfüllen des Formulars ist dafür nicht notwendig. Es reicht, wenn Anleger die einbehaltene Abgeltungsteuer plus Soli eintragen. Seit diesem Jahr behalten Banken die Kirchensteuer automatisch mit der Abgeltungsteuer ein. Die notwendigen Informationen erhalten Kreditinstitute vom Bundeszentralamt für Steuern. Wer damit nicht einverstanden war oder ist, konnte und kann dem widersprechen. Allerdings müssen Sie dann weiterhin die „Anlage KAP“ ausfüllen.

Abrechnen müssen auch Steuerzahler, die Kapitalerträge aus dem Ausland erwirtschaftet haben. Denn diese werden ohne Abzug der Abgeltungsteuer ausgezahlt. „Tragen Sie auch die im Ausland einbehaltene Quellensteuer ein“, rät Kauth. Denn diese rechnen die Finanzbeamten auf die Steuerschuld an. Die im Ausland gezahlte Quellensteuer akzeptieren die Finanzämter jedoch nur in Höhe der Steuern, die denen in Deutschland entsprechen, fällig werden.

Steuerzahler, die auf ihre Geldanlagen im Ausland EU-Zinssteuer gezahlt haben, sollten ihre Kapitalerträge in der Steuererklärung auflisten. Die EU-Zinssteuer beträgt aktuell 35 Prozent und liegt damit über der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. „Daher erhalten Anleger eine Erstattung von zehn Prozent“, sagt Rauhöft. Den Abzug der EU-Zinssteuer können Steuerzahler vermeiden, wenn sie stattdessen Kontrollmitteilungen akzeptieren. Dies wird künftig verstärkt der Fall sein. Ende vergangenen Jahres haben 51 Staaten ein Abkommen über den automatischen Austausch von Kontodaten unterzeichnet.

Hin und wieder gibt es vom Finanzamt Erstattungszinsen. Und zwar immer dann, wenn die Behörde nach dem Steuerjahr mehr als 15 Monate benötigt, um den Steuerbescheid auszustellen. Wer Zinsen vom Finanzamt erhalten hat, muss die „Anlage KAP“ ausfüllen und die Zinsen in Zeile 19 angeben. Unklar ist jedoch, ob Steuerzahler verpflichtet sind, auf Erstattungszinsen Abgeltungsteuer zu zahlen. Letztendlich müssen diese Frage Richter des Bundesverfassungsgerichts beantworten (Az. 2 BvR 482/14).

Die komplette Serie und einen Steuerrechner finden Sie unter www.morgenpost.de/steuern

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