E-Commerce

Rocket Internet setzt auf Lieferservice

Berliner Unternehmen investiert in Plattform Delivery Hero eine halbe Milliarde Euro

Die Start-up-Schmiede Rocket Internet setzt mit einer Investition von fast einer halben Milliarde Euro groß auf das Geschäft mit der Essenszustellung. Die Firma der Samwer-Brüder kauft für 496 Millionen Euro einen Anteil von 30 Prozent an der Berliner Plattform Delivery Hero. Sie bietet in 24 Ländern – in Deutschland unter dem Namen Lieferheld – die Möglichkeit, Essen in Gaststätten über das Internet zu bestellen und geliefert zu bekommen. Zudem kaufte Rocket neun weitere Lieferdienste in verschiedenen Ländern von Spanien und Italien bis Pakistan, Malaysia und Singapur zusammen.

Nach Angaben von Freitag hat Delivery Hero 90.000 Restaurants als Partner. Die Firma hatte zuletzt 5,8 Millionen Nutzer, die im vergangenen Jahr etwa 63 Millionen Bestellungen machten.

Delivery Hero werde das Kapital in erster Linie dazu nutzen, seine Position als Technologieführer weiter auszubauen und seine langfristige Vision zu verwirklichen, die Branche der Essenslieferungen umzubauen und effizienter zu gestalten, teilte ein Unternehmenssprecher am Freitag in Berlin mit. „Delivery Hero hat eine sehr langfristige Vision, die Industrie für Essenslieferungen komplett umzubauen, hin zu mehr Transparenz, Qualität, Komfort und Tempo. Rocket Internet ist ein perfekter langfristiger Investor, um dies zu erreichen“, sagte Niklas Östberg, Vorstandschef von Delivery Hero.

Die Rieseninvestition ist das Herzstück einer Großoffensive der Samwers bei Lieferdiensten. Rocket bildet zudem eine neue Einheit, in der die internationalen Aktivitäten bei der Essenszustellung mit mehreren Firmen zusammengefasst werden sollen. In diese „Global Online Takeaway Group“ kommt der hauseigene Konkurrent von Delivery Hero, Foodpanda, der in Schwellenländern aktiv ist. Sie ergänzten sich regional. Foodpanda kaufte zudem sieben Wettbewerber in Asien.

Zukäufe in Südeuropa

Außerdem übernahm Rocket Internet in Spanien den Lieferdienst La Nevera Roja und in Italien den Zusteller Pizzabo. Insgesamt kämen die Firmen in der Sparte auf 78 Millionen Essensbestellungen pro Jahr. Daneben investierte Rocket Internet rund 130 Millionen Euro in HelloFresh, einen führenden Anbieter von Lebensmittel-Abonnements im Online-Handel, und übernimmt dort mit rund 52 Prozent die Mehrheit.

Rocket sehe insgesamt einen rund 90 Milliarden Euro großen weltweiten Markt für Essenszustellung, der online noch weitgehend unerschlossen sei, hieß es. Der Grund: Statt eines Anrufs beim Pizzaservice oder Sushi-Laden lassen sich immer mehr Menschen Essen nach einer Bestellung über das Internet liefern.

Die Gesamtbewertung der unter dem Dach von Rocket Internet aktiven großen Start-ups sei seit dem Börsengang im Oktober um rund 800 Millionen Euro gestiegen, hieß es am Freitag weiter. Dies kam bei Investoren gut an. Fast alle dieser Start-ups schreiben allerdings bisher auch operativ rote Zahlen. Rocket Internet entwickelt Internet-Unternehmen vor allem im Bereich des Online-Handels und Dienstleistungen. Die Firma wird von den Internet-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer kontrolliert.

Der Börsengang von Rocket fiel zunächst schwach aus, die Aktie fiel unter den Ausgabepreis. Inzwischen steht sie deutlich höher und Rocket Internet ist insgesamt rund 7,2 Milliarden Euro wert. Nach den Ankündigungen am Freitag legte die Rocket-Aktie um rund sieben Prozent zu.