Verbraucher

In der Eurozone sinken die Preise

EU-Kommission sieht aber nur kurzzeitige Deflation. Wirtschaft soll leicht wachsen

Die Eurozone rutscht nach aktueller EU-Prognose in diesem Jahr in die Deflation. Die Verbraucherpreise in der Eurozone werden 2015 voraussichtlich um 0,1 Prozent sinken, wie die Europäische Kommission am Donnerstag in Brüssel mitteilte. Unter Deflation wird ein Rückgang des Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen verstanden, weil die Nachfrage geringer ist als das Angebot. Insgesamt seien die Aussichten für die Wirtschaft etwas heller geworden, urteilte die Kommission, die auch Vorhersagen zu Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung machte.

Die Deflation wird der Vorhersage nach nicht lange dauern. Schon für 2016 rechnet Brüssel wieder mit einer positiven Inflationsrate, die Verbraucherpreise sollen dann um 1,3 Prozent zulegen. Darüber hinaus wird die Inflation 2015 in der EU insgesamt – also die Länder mit eigener Währung eingerechnet – voraussichtlich bei plus 0,6 Prozent liegen.

Eine Deflation kann aus verschiedenen Gründen problematisch sein. Verbraucher können in der Hoffnung auf niedrigere Preise ihre Anschaffungen verschieben. Unternehmen können ihre Produktion verringern und Investitionen aufschieben, woraus wiederum Entlassungen und niedrigere Löhne folgen können. Das bremst die Nachfrage dann noch mehr und die Preise sinken weiter – es droht ein Teufelskreis aus fallenden Preisen, Löhnen, Ausgaben und Investitionen.

Eine Deflation hat aber nicht zwangsläufig negative Folgen. Ob die Verbraucher tatsächlich Einkäufe zurückstellen, zeigt sich in der jeweiligen Situation. Wenn sie weiter konsumieren, profitiert auch die Wirtschaft. Erst mit sogenannten Zweitrundeneffekten – wenn die Löhne fallen – kann es dann gefährlich werden. Beim Wirtschaftswachstum geht die EU-Kommission in diesem Jahr von einem Plus aus. Nach 0,8 Prozent 2014 in der Eurozone soll es im laufenden Jahr um 1,3 Prozent und 2016 um 1,9 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt steigen.

Ölpreis-Rückgang vorteilhaft

„Die Wirtschaftsperspektiven der EU sind heute etwas positiver als zum Zeitpunkt unserer letzten Prognose“, erklärte Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici. „Der Rückgang der Ölpreise und der günstigere Euro waren eine willkommene Vitaminspritze für die europäische Wirtschaft.“ Es seien aber noch „große Anstrengungen“ nötig, um insbesondere neue Jobs zu schaffen. Die Arbeitslosigkeit fällt im laufenden Jahr in der Eurozone voraussichtlich leicht auf 11,2 Prozent und 2016 weiter auf 10,6 Prozent.

Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold hält das für nicht genug. „11,2 Prozent Arbeitslosigkeit verbunden mit einer möglichen Deflation gefährden den politischen Zusammenhalt Europas. Diese Prognose muss ein Weckruf für die Staats- und Regierungschefs sein, endlich mit einer Investitionspolitik für eine soziale und ökologische Transformation Ernst zu machen.“

Wirtschaftskommissar Moscovici ermahnte sein Land Frankreich: Es seien „zusätzliche Maßnahmen“ nötig, um das Defizit zu senken. Die Kommission erwartet, dass die Ausgaben in Frankreich 2015 um 4,1 Prozent über den Einnahmen liegen. Insgesamt wird das Defizit der öffentlichen Haushalte in den Ländern der Eurozone 2015 im Schnitt voraussichtlich 2,2 Prozent betragen.

Zu Griechenland sagte Moscovici, es sei entscheidend, das zurückkehrende Wirtschaftswachstum nicht zu zerschlagen.