Verbraucher

Mindestlohn lässt die Preise steigen

Friseur, Gastronomie, Backwaren, Taxifahren werden teurer. Unter dem Strich macht sich der Mindestlohn aber kaum bemerkbar

Vier Wochen nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zeigen sich erste Folgen auch für die Verbraucher. Viele Branchen, die vom Mindestlohn betoffen sind, geben ihre gestiegenen Lohnkosten über höhere Preise an die Kunden weiter, wie vorläufige Zahlen der Statistischen Landesämter für den Januar belegen. Teurer wurde es danach beim Bäcker, beim Friseur, in Hotels, Gaststätten und Kantinen. Die Preissteigerungen betreffen vor allem Ost-Deutschland. Besonders drastisch sind die Preisanstiege für Taxifahrten.

So stieg der Preis für Taxifahrten in Thüringen binnen eines Monates um 39 Prozent, wie das Statistische Landesamt mitteilte. In Berlin stellten die Statistiker einen Anstieg im Taxigewerbe um 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fest, in Mecklenburg-Vorpommern um 13 Prozent. In Baden-Württemberg waren es 5,1 Prozent, „wobei die Preiserhöhungen teilweise mit der Einführung des Mindestlohns ab 2015 begründet wurden“, sagen die Statistiker im Südwesten. Dort relativieren die Experten also die Folgen des Mindestlohns.

In der deutschen Taxibranche waren die Löhne bislang oft am Umsatz orientiert, teilweise kamen die Fahrer nur auf 6,50 Euro pro Stunde. Die Taxitarife werden von den Kommunen festgelegt, im Zuge der Mindestlohneinführung beantragten das Gewerbe kräftige Erhöhungen von im Durchschnitt 20 Prozent.

Konsumindex fällt um 0,3 Prozent

Der Mindestlohn macht sich den Statistikern zufolge aber auch beim Bäcker bemerkbar: In Mecklenburg-Vorpommern mussten Verbraucher im Januar für Körnerbrot und Vollkornbrot durchschnittlich zehn Prozent mehr als vor einem Jahr zahlen. „Dabei ist Mehl gar nicht teurer geworden, nur die Backwaren“, wundert sich Dieter Gabka, der zuständige Statistiker in Schwerin. In Berlin stiegen die Preise für Brot und Backerzeugnisse um 3,5 Prozent, in Sachsen zwischen 3 und 4,5 Prozent und auch in Hessen um 1,7 Prozent.

Auffällig ist der Preisanstieg auch, weil die Preise für Nahrungsmittel in den meisten Ländern deutlich zurückgingen – in Hessen etwa um 2,3 Prozent. Das Bäckerhandwerk hatte erhebliche Preissteigerungen durch den Mindestlohn vorausgesagt - vor allem in Ostdeutschland, denn dort haben Verkäuferinnen hinter der Ladentheke mancherorts nicht mehr als sechs Euro verdient.

„Nennenswerte Preissteigerungen“ konstatierten die Statistiker auch im Beherbungs- und Gaststättengewerbe. Dort waren Verhandlungen zwischen dem Branchenverband Dehoga und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) über einen bundesweiten Übergangstarifvertrag im Sommer gescheitert. Gaststätten und Hotels hätten den Mindestlohn dann erst schrittweise in den nächsten Jahren einführen müssen.

Auf einen solchen Übergangstarifvertrag hatten sich die Gewerkschaft Ver.di und das Friseurgewerbe schon 2013 geeinigt. Der Mindestlohn steigt in der Friseurbranche jetzt erst zum 1. August 2015 in Ost und West auf 8,50 Euro. Dennoch müssen die Kunden schon heute mehr für den Friseurbesuch bezahlen: In Mecklenburg-Vorpommern waren es im Januar neun Prozent, in Sachsen sieben Prozent.

In der Inflationsrate schlägt der Preisschub in einzelnen Mindestlohn-Branchen kaum durch. Insgesamt gingen die Preise im Januar nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent zurück. Vor allem die Energiekosten entlasten derzeit die Geldbörse: Sie sanken seit Januar 2014 um neun Prozent. Auch die Nahrungsmittel wurden billiger. Ohne Berücksichtigung dieser beiden Posten wären die Verbraucherpreise im Januar 2015 voraussichtlich um 1,1 Prozent höher als vor einem Jahr. Angesichts der niedrigen Benzin- und Heizkosten lässt sich für den Verbraucher der teurere Friseur- oder Gaststättenbesuch leichter verschmerzen.