Unternehmen

Ärger um Arbeitsverträge bei der Post

Unter dubiosen Bedingungen erhalten Beschäftigte Angebote für Tochterfirma

Die Deutsche Post heuert in großem Stil Beschäftigte für ihre 49 neuen Tochterfirmen namens Delivery an, in denen Paketzusteller zu schlechteren Bedingungen als im Postkonzern arbeiten sollen. Ende vergangener Woche wurden dafür in Hotels Abendveranstaltungen für bislang befristet Beschäftigte der Post abgehalten. Dort wurden ihnen neue Jobs angeboten, allerdings mit einer Vorgehensweise, die nach Ansicht von Experten unüblich ist. Zumindest in einem Fall in Nordrhein-Westfalen durfte niemand den angebotenen Vertrag mit nach Hause nehmen. Das behauptet einer der Betroffenen, der anonym bleiben möchte.

Der Paketzusteller arbeitet seit knapp zwei Jahren bei der Post in Nordrhein-Westfalen. Fast ein Dutzend befristete Verträge hat er in der Vergangenheit bekommen, sein letzter endete am 31. Januar. Über die Veranstaltung wurde am selben Tag am Schwarzen Brett informiert: „Teilnahme ist für alle befristeten Mitarbeiter Pflicht.“.

Das Angebot, das ihm und etwa 100 weiteren Post-Paketfahrern an dem Abend gemacht wurde, sieht so aus: In den Monaten Februar und März können die Zusteller zu den bisherigen Konditionen der Post weiterarbeiten, ab April gehören sie dann zu der neuen Firma Delivery. Doch wie genau die Bedingungen und die Bezahlung dort sein werden, das erfuhren die Anwesenden nach der Aussage des Fahrers nicht im Detail. Unterschreiben mussten die Jobkandidaten beide Verträge – oder keinen. „Wir sollen bei Delivery zunächst das gleiche Geld bekommen, hieß es. Aber wir haben keinen Arbeitsvertrag zum Lesen bekommen“, sagt der Mitarbeiter.

Am Ende hat die weit überwiegende Mehrheit der versammelten Postmitarbeiter die Papiere unterschrieben, ausgehändigt wurde der Arbeitsvertrag keinem von ihnen. Auf Nachfrage gab es die Antwort, jeder Betroffene könne später von sich aus kündigen.

Die Post bestreitet diese Beschreibungen. „Wenn alle Unterschriften vorlagen, dann haben die Mitarbeiter auch die Verträge mitbekommen“, sagte ein Konzernsprecher. Notwendig dafür seien drei Unterzeichnungen, zwei aus dem Unternehmen und die des Arbeitnehmers. Lediglich in den Fällen, in denen nicht alle Personen vor Ort waren, sei anders verfahren worden. „Dann erhalten die Beschäftigten die Arbeitsverträge per Post zugeschickt“, sagte der Sprecher.

Juristen halten das Vorgehen für eigenwillig. „Für einen großen Arbeitgeber ist es ungewöhnlich, dass neue Mitarbeiter keinen Vertrag ausgehändigt bekommen“, sagte Alexandra Henkel, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin der Wirtschaftskanzlei FPS in Berlin.

Nach Angaben der Post wurden in den neuen Firmen schon viele Mitarbeiter eingestellt. „Es haben bereits 1000 Menschen Verträge bei Delivery unterschrieben, wenige Tage nachdem wir die Pläne bekannt gegeben hatten“, sagte Post-Vorstand Jürgen Gerdes der „Wirtschaftswoche“. Diese Mitarbeiter wollten „gerne unbefristet zu diesen Konditionen in unseren neuen Gesellschaften arbeiten“. Gerdes war bei den Veranstaltungen per Video zu sehen.

Die Post nennt Löhne ab 10,32 Euro pro Stunde in den neuen Firmen, im Konzern werden anfangs 11,72 Euro bezahlt. In den Delivery-Gesellschaften gilt nicht der Haustarif der Post, sondern die Konditionen richten sich nach den Tarifregelungen des Speditions- und Logistikgewerbes. Rechnet man alle Leistungen zusammen, beträgt der Gehaltsunterschied bis zu 20 Prozent. Nach eigener Aussage will die Post in den Tochterfirmen bis zu 20.000 Arbeitsplätze für Paketzusteller schaffen.

Die Gewerkschaft Verdi und die Fachgewerkschaft DPVKOM erheben den Vorwurf, der Postkonzern wolle durch die neuen Gesellschaften bestehende Arbeitsplätze durch schlechter bezahlte Stellen ersetzen. Konzernchef Frank Appel spricht seit Monaten davon, dass die Post die Kosten in der Zustellung von Paketen senken müsse.