Unternehmen

Karstadt greift härter durch

Gewerkschaft fürchtet schlechtere Bezahlung. Vertriebschef greift Verdi direkt an

Im Kampf um Sanierung und Stellenabbau bei Karstadt wird der Ton schärfer. In einem internen Rundschreiben griff Vertriebschef Thomas Wanke die Gewerkschaft Verdi direkt an. Das Schlagwort vom angeblich drohenden SB-Warenhaus Karstadt sei „nicht nur geschäftsschädigend, sondern auch Unsinn“, heißt es in der Mitarbeiter-Information, die der Morgenpost vorliegt. Als SB- oder Selbstbedienungs-Warenhäuser werden normalerweise großflächige Einkaufszentren auf der grünen Wiese bezeichnet, die nur wenig Personal beschäftigen und in denen Beratungsgespräche nicht zum Geschäftskonzept zählen.

Wanke spielt auf einen Angriff der Berliner Verdi-Funktionärin Erika Ritter an, die den laufenden Sanierungsplan als „Holzweg“ bezeichnet hatte. „Das Konzept würde SB-Warenhaus bedeuten“, sagte Ritter nach Medienberichten. Nach Aussagen von Verdi-Fachbereichsleiter Arno Peukes, der auch im Karstadt-Aufsichtsrat sitzt, sollen zusätzlich zu den rund 2000 Stellenstreichungen weitere 1100 Mitarbeiter schlechter bezahlte Jobs in Kauf nehmen. Statt Kundenberater würden die Betroffenen als Regaleinräumer eingestuft, sagte Peukes der „Süddeutschen Zeitung“. Dadurch würden ihre Gehälter um monatlich 300 Euro sinken. „Wir brauchen Berater und keine menschenleeren Selbstbedienungsbereiche“, forderte er. Ein Firmensprecher wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Am Montag gab es an zahlreichen Karstadt-Standorten Betriebsversammlungen. Für diesen Dienstag ist nach Informationen der Morgenpost auch eine Versammlung in der Essener Konzernzentrale geplant, bei der es um Details der dort geplanten Personaleinsparungen gehen soll. Nach Darstellung von Wanke kommt der angeschlagene Essener Warenhaus-Riese um die Einschnitte nicht herum: „Unser Wettbewerber“ – gemeint ist Galeria Kaufhof – „erzielt bei deutlich höherer Produktivität bessere Ergebnisse als wir“, schreibt er. Karstadt plane ein neues Steuerungsinstrument namens „Vertriebs-Cockpit“, heißt es weiter. Davon verspricht sich die Führung offenbar eine bessere Abstimmung des Mitarbeitereinsatzes bei Verkaufsspitzen, vor allem aber weniger interne Bürokratie.

Bisher würden von den einzelnen Fachbereichen und Sparten bis zu 220 Rundschreiben wöchentlich verfasst, so Wanke. Künftig werde der Prozess über das „Vertriebs-Cockpit“ als neuem Informationsweg standardisiert. „Es ist doch klar, dass es nichts nützt, wenn an einem kundenstarken Freitagnachmittag zwar genug Mitarbeiter auf der Fläche sind, sie aber schlicht keine Zeit für Beratung haben, weil sie Informationen aus der Verwaltung lesen oder Ware einräumen“, moniert der Vertriebschef. Karstadt werde den Verwaltungsaufwand verringern und mehr Zeit für die Kunden gewinnen.

Nach jüngsten Änderungen der Eigentümerstruktur kann Karstadt-Eigentümer René Benko jetzt im Konzern durchregieren. Der Immobilien-Magnat und Mit-Investor Beny Steinmetz haben ihre Karstadt-Interessen entflochten. Steinmetz hat sich aus allen operativen Gesellschaften zurückgezogen, darunter die Betreiberfirma für drei sogenannte Premiumhäuser im Berlin, Hamburg und München und für Karstadt Sport. Im Gegenzug erhielt Steinmetz das Eigentum an etwa 20 Warenhaus-Immobilien, in denen der Konzern sein Stammgeschäft betreibt. Benkos Tochtergesellschaft Signa Retail übernimmt allein den Betrieb des Stammgeschäfts in gut 80 Warenhäusern sowie die Sport- und die Premium-Sparte.