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Siemens-Chef Kaeser muss seinen Kurs verteidigen

Für Siemens-Chef Joe Kaeser stehen am Dienstag auf seiner zweiten Hauptversammlung im Amt der rasant gefallene Ölpreis und die massive Abwertung des Euro ganz oben auf der Agenda.

Denn für Aktionäre und Management von Deutschlands größtem Technologiekonzern sind die Folgen vor allem der Euro-Talfahrt deutlich zu spüren. Erst im Herbst schnappte Kaeser dem Schweizer Anlagenbauer Sulzer, bei dem Vorgänger Peter Löscher den Verwaltungsrat führt, den US-Turbinenspezialisten Dresser-Rand vor der Nase weg. Rund 7,6 Milliarden Dollar versprach er den Aktionären der Amerikaner damals. Inzwischen hat sich der Kaufpreis für Siemens rechnerisch um 800 Millionen Euro erhöht.

Offen ist allerdings, wie stark sich dieser Währungseffekt tatsächlich in den Zahlen des Traditionskonzerns mit Doppelsitz in Berlin und München niederschlagen wird. Dabei geht es um zwei Fragen: Veranschlagt Siemens den Unternehmenswert von Dresser-Rand mittlerweile wegen des schwindenden Ölpreises anders? Und hatte Siemens womöglich zum Zeitpunkt des Deals bereits genug Bares auf Dollar-Konten liegen, um den Euro-Verfall auf die leichte Schulter nehmen zu können? Falls nicht, wirft das eine dritte Frage auf: Was kostet es Kaeser, sich auf die Schnelle die Dollars zu besorgen? Die Belegschaftsaktionäre zürnen: Eine riskante Sache, teuer und gefährlich. Die Mitarbeitervertreter fühlen sich an die milliardenschweren Fehlschläge für Siemens beim Zusammenkauf der Diagnostiksparte, als der Konzern unter anderem die US-Firma Dade Behring kaufte und abschreiben musste. „Das Verlustgeschäft mit Dade Behring ist noch in böser Erinnerung und auch noch nicht ausgestanden.“ Aber die Siemens-Spitze will sich nicht beirren lassen. Im Dezember hatte Kaeser erklärt: „Wir denken nicht daran, die Übernahme von Dresser-Rand aufzugeben.“

Betriebsräte fürchten, dass Kaeser mehr als die bereits bekannten 1200 Stellen in der Energietechnik streichen könnte. Ohnehin bangen die Arbeitnehmervertreter um die Kollegen, deren Organisationsebene Kaeser nach seinem Amtsantritt gestrichen hat – knapp 12.000 Menschen. Wie viele davon andernorts dauerhaft unterkommen und wie viele Stellen wegfallen, daraus macht Kaeser seit Quartalen ein Geheimnis. Betriebsratschefin Birgit Steinborn ist in Rage. „Seit Jahren jagen wir von einem Abbauprogramm ins nächste“, zürnte die stellvertretende Aufsichtsratschefin im „Handelsblatt“.

Selbst Investoren wie der Fondsgesellschaft Union Investment wird die Reihe von Konzernumbauten zu viel. „2015 wird ein weiteres Übergangsjahr“, sagte Fondsmanager Ingo Speich, der Siemens vorwirft, sich zu oft mit sich selbst zu beschäftigen. „Nicht Siemens soll bei Siemens wieder über allem stehen, sondern der Kunde.“