Unternehmen

Benko nun Karstadts Alleinherrscher

Partner zieht sich aus dem Stammgeschäft zurück. Immobilien werden neu verteilt

Der im Diamantenhandel reich gewordene israelische Investor Beny Steinmetz steigt aus dem operativen Risiko Karstadt aus. Steinmetz hat sich aus einer gemeinsamen Holding mit dem österreichischen Immobilienmagnaten René Benko zurückgezogen, bestätigte ein Sprecher von Benkos Signa Holding gegenüber der Morgenpost. Beide Milliardäre hatten bisher über gemeinsame Firmen das Stammgeschäft in den rund 80 Filialen der Karstadt Warenhaus GmbH, in drei sogenannten Premiumhäusern, darunter das Berliner KaDeWe sowie bei Deutschlands zweitgrößtem Sporthändler, Karstadt Sport, gesteuert. Ferner teilten sich Benko und Steinmetz bislang den Immobilienbesitz an den drei Premiumhäusern sowie rund 20 klassischen Karstadt-Warenhäusern.

Nun haben sie das Paket aufgeschnürt. Das Benko-Unternehmen Signa Retail übernimmt künftig allein den Betrieb der drei Handelssparten. Auch der Immobilienbesitz an den Premiumhäusern – das KaDeWe in Berlin, das Oberpollinger in München und das Hamburger Alsterhaus – sowie an den beiden Karstadt-Filialen Stuttgart und Berlin-Kurfürstendamm geht komplett an Benko. Steinmetz erhält im Gegenzug die rund 20 übrigen Warenhaus-Immobilien. Über den Deal hatte zuerst das österreichische Wirtschaftsmagazin „Format“ berichtet.

Damit kann der Israeli den Geschäftsverlauf bei Karstadt künftig entspannt beobachten. Als Vermieter, nach Informationen der Morgenpost abgesichert über mehrjährige Mietverträge, betreffen ihn Ertragsschwankungen aus dem laufenden Handelsgeschäft allenfalls noch mittelbar. Man habe das Karstadt-Engagement „im besten Einvernehmen“ getrennt, weil beide Seiten unterschiedliche strategische Überlegungen anstellten.

Auf das laufende Geschäft von Karstadt oder Mitarbeiter und Kunden hätten die Änderungen keine Auswirkungen, versicherte eine mit den Änderungen vertraute Person: „Das hat keinen Einfluss.“ Nach jahrelanger Talfahrt ist eine Wende bei Karstadt bisher nicht in Sicht. Das wichtige Weihnachtsgeschäft 2014 hat keine Entlastung gebracht. Im Gegenteil: In den Monaten November und Dezember lag der Umsatz um sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau, warnte Vorstandsmitglied Miguel Müllenbach kürzlich. Allerdings habe sich die Gewinnspanne verbessert. Karstadt will nach früheren Angaben mindestens 2000 Jobs streichen und sechs Häuser schließen.

Der Anstoß zum Umbau bei Karstadt ist offenbar von Steinmetz ausgegangen. Der Großinvestor plant nach Brancheninformationen den Aufbau eines größeren Immobilienportfolios in Deutschland: „Er sieht hier große Möglichkeiten“, hieß es. Das Warenhauspaket bilde dafür den Grundstock.