Ratgeber

Mein Haus, mein Sparbuch, mein Urlaub

Welche Auswirkungen die Anleihenkäufe durch die EZB für die Verbraucher haben

Der Jubel begann schon Wochen vor der historischen Entscheidung der EZB. Seit die Währungshüter tatsächlich die lang erwartete Geldflut verkündet haben, kennen die Investoren kein Halten mehr: Der deutsche Leitindex Dax steigt weiter von einem Rekordhoch zum nächsten. Am Freitag war der Dax in der Spitze nur noch rund 300 Punkte von der magischen Zahl 11.000 entfernt. Kann das noch gesund sein? Manche Experten warnen vor Risiken: Die Schuldenkrise in der Eurozone ist noch nicht vorbei. Die Morgenpost analysiert, was sich für Anleger und Kreditnehmer ändert:

Sparbuch

Das Sparbuch trägt langfristig nicht mehr zur Vermögensbildung bei. Es eignet sich allenfalls noch, um Geld zu parken. Experten sehen keine Chance, dass die Zinsen auf absehbare Zeit steigen werden. Im Gegenteil: „Bei den Sparzinsen – sowohl für täglich fällige Einlagen als auch für Termineinlagen – sehen wir weiterhin sinkende Zinsen“ sagt Daniel Franke, Geschäftsführer des Vergleichsportals www.tagesgeldvergleich.net.

Tagesgeld

Nach Berechnungen von Franke liegt die Durchschnittsrendite auf Tagesgeldkonten bei 0,55 Prozent. Andere Anbieter wie FMH-Finanzberatung kommen auf ähnliche Werte. Zum Glück gibt es immer wieder Banken, die mit Sonderkonditionen locken. „Der Wettbewerb der Institute sorgt für eine rege Aktivität bei den Neukundenzinsen“, sagt Franke. Die besten Anbieter locken aktuell mit 1,3 Prozent. „Regelmäßig Angebote vergleichen und zu Banken mit höheren Zinsen wechseln“, lautet daher der Expertentipp.

Festgeld

Wer den genauen Zeitraum kennt, bis er das Geld wieder braucht, kann seine Verzinsung etwas aufpeppen, indem er ins Festgeld geht. Für eine Einlage von 5000 Euro sind bei einer Laufzeit von vier Jahren sogar etwas über zwei Prozent Zinsen über das Jahr drin. Die französische Großbank Crédit Agricole bietet aktuell zum Beispiel 2,1 Prozent. „Doch dann ist das Geld auch gebunden“, gibt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu bedenken.

Staatsanleihen

Durch die Käufe dürften die Renditen der Papiere, zum Beispiel Bundesanleihen, weiter sinken. Das trifft Besitzer von Anleihen oder Anleger, die Geld in Anleihefonds investiert haben.

Kredite

Grundsätzlich gilt: Auch in der Nullzins-Ära bleibt zielgerichtetes Sparen weiter sinnvoll. Wer weiß, dass er sich in drei Jahren ein neues Auto oder eine neue Küche kaufen will, tut gut daran, immer etwas Geld auf die Seite zu legen. Finanzprofis raten jedem Haushalt außerdem, drei Monatsgehälter vorzuhalten für unvorhersehbare Wechselfälle des Lebens. Wer ohne Spargroschen dasteht und im Fall der Fälle einen Kredit aufnehmen muss, zahlt ordentlich drauf. Denn die Soll-Zinsen haben die Geldhäuser längst nicht so stark gesenkt wie die Haben-Zinsen. Laut dem Finanzportal Biallo.de kostet ein Ratenkredit im Schnitt 5,66 Prozent im Jahr.

Aktien

Die Geldschwemme der Notenbanken ist der Schmierstoff für die Aktienmärkte. Da viele andere Geldanlagen wegen niedriger Zinsen kaum noch etwas abwerfen, stecken Investoren ihr Geld in Aktien. Die Kurse steigen. Experten warnen allerdings, dass dadurch Blasen an den Aktienmärkten entstehen können.

Gold

Sehr geschätzt ist in Deutschland das Edelmetall Gold. Anders als Aktien wirft es keine laufenden Erträge ab. „Rendite gibt es nur über steigende Preise, und das kann mitunter riskant sein“, sagt Expertin Oelmann. Tatsächlich kann der Goldkurs extrem schwanken. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Wette auf Gold allerdings ausgezahlt. Im Schnitt gab es seit 2005 einen Wertzuwachs von 13 Prozent im Jahr. Eine Garantie, dass dies so bleibt, gibt es nicht. Allerdings lässt die Billiggeldpolitik der Notenbanken vermuten, dass Hartgeld attraktiv bleibt.

Altersvorsorge

Das Geld der Lebensversicherer steckt vor allem in Staatsanleihen. Schon jetzt fällt es den Unternehmen angesichts der niedrigen Zinsen immer schwerer, die hohen Renditenversprechen für Altkunden am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Die Folge: Die Rendite von Produkten zur privaten Altersvorsorge sinkt. Das Kaufprogramm verstärke den Druck auf festverzinsliche Wertpapiere, kritisiert der Präsident des Branchenverbandes GDV, Alexander Erdland. „Das macht es uns jetzt noch schwerer, den Menschen gute Angebote für ihr Alter zu machen.“

Immobilien

Kredite für den Kauf der eigenen vier Wände sind durch den Leitzins nahe Null, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der EZB besorgen können, billiger geworden.

Reisen

Der Urlaub in Nicht-Euroländern wird bei einem schwächeren Euro teurer. Das gilt vor allem für Reisen in die Schweiz, in die USA sowie in Länder, in denen der Dollar als offizielles Zahlungsmittel gilt.