Interview

Berliner Onlinebanker bieten 3,7 Prozent für Festgeld

Weltsparen.de bietet Geldanlagen in anderen Ländern ohne viel Bürokratie

Attraktive Festgeldangebote in Zeiten von Minizinsen verspricht die Berliner SavingGlobal GmbH auf ihrem Onlineportal Weltsparen.de. Bis zu 3,7 Prozent seien derzeit möglich. Die Plattform hat seit ihrem Start vor einem Jahr nach eigenen Angaben 12.000 Nutzern Anlagen mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro vermittelt. Beim BankingCheck.de-Award wurde das Berliner Start-up als „Bester Festgeldmarktplatz 2014“ ausgezeichnet. Das Wagniskapitalunternehmen Index Ventures investierte mehr als sieben Millionen Euro in SavingGlobal. CEO Tamaz Georgadze erklärt, wie sein Marktplatz funktioniert.

Berliner Morgenpost:

Wie schaffen Sie es, ihren Kunden momentan Festgeldzinsen von zwei Prozent und mehr anzubieten – das klingt nach Zauberei?

Tamaz Georgadze:

Das hat mit Zauberei nichts zu tun, darin wären wir auch nicht gut. Wir geben dem Kunden schlicht die Möglichkeit, lokal in anderen europäischen Ländern anzulegen. Vielerorts sind die Zinsen für private Sparer deutlich höher als zurzeit in Deutschland. Gemäß der aktuellen Zahlen der EZB zahlen Banken in Deutschland für kurzfristige Anlagen 0,5 Prozent, nur im Baltikum und in Luxemburg sind die Zinsen noch geringer. Sogar im benachbarten Frankreich oder den Niederlanden werden im Durchschnitt laut der EZB-Statistik jeweils 1,6 Prozent an den Endkunden gezahlt.

Wie sicher sind Einlagen bei Weltsparen, welche Garantien bieten Sie Ihren Kunden, und wie viel Kapital muss ich als neuer Kunde mitbringen?

Wir bieten ausschließlich Festgeldanlagen bei Banken, die in Europa einer einheitlich geregelten und harmonisierten Einlagensicherung unterliegen. In ganz Europa wurden die Mindestanforderungen an die Einlagensicherung seit Jahren weiterentwickelt. Wir glauben, dass in ganz Europa die gesetzlichen Bestimmungen und erforderlichen Rahmenbedingungen existieren und auch der uneingeschränkte politische Wille vorherrscht, Kleinsparer bis zum Gesamtbetrag von 100.000 Euro je Bank und Anleger vor jeglichen Widrigkeiten und potenziellen Bankinsolvenzen zu schützen.

Warum ist diese Anlageform keiner etablierten Bank eingefallen?

Wir wissen, dass Banken, die in mehreren Ländern operieren, sich auch überlegt hatten, grenzübergreifend Festgelder in ihren Filialen in Deutschland anzubieten. Leider war dann die Angst groß, den Kunden an das ausländische Schwesterinstitut wegen der attraktiveren Konditionen zu verlieren. Anders als bei Fonds oder Kapitalmarktprodukten vertreiben die Banken gerade in diesem konservativen Produktfeld nur hauseigene, lokale Angebote, dies wird sich jedoch in Zukunft möglicherweise ändern.

Wie ist die Idee zu Weltsparen entstanden – von Hause aus sind Sie doch McKinsey-Berater?

In der Tat war die McKinsey-Tätigkeit auch mit „Schuld“ an dieser Idee. Gerade durch die Tätigkeit bei McKinsey hatte ich die Möglichkeit, viele Banken in unterschiedlichen Geografien zu beraten. Bei Sparprodukten herrscht auf einzelnen lokalen Märkten eine sehr unterschiedliche Dynamik. Manche Märkte – wie Deutschland – haben schlicht ein sehr großes, über Jahrzehnte angewachsenes, Sparvermögen aufzuweisen, das von den Banken nicht mehr sinnvoll in Form von Krediten weitergereicht werden kann. In manchen Ländern in Europa sind die Gegebenheiten anders. Hieraus entstand am Ende die Idee, grenzüberschreitend konservative Anlageprodukte anzubieten. Der Kunde muss nicht mehr physisch zur Bank im Ausland fliegen, um besser verzinste Angebote in Anspruch zu nehmen, alles geht bequem, kostenlos und online.

Weltsparen. Wieso dieser Name? Das klingt nach Sparbüchse?

Wir haben versucht den Kern der Idee zusammenzufassen. Wir wollen dem Kunden rentierliches Sparen ermöglichen, eben nicht nur lokal zu mageren Konditionen, sondern global. Weltsparen wird auch von unseren Kunden positiv wahrgenommen: unsere Kunden wollen sparen, aber eben anders als bislang, nicht mehr beschränkt auf das bestehende Angebot, sondern cleverer im Ausland. Mit der Assoziation einer Sparbüchse haben wir im Übrigen überhaupt keine Probleme: statt vieler komplizierter Kapitalmarktprodukte ist das Festgeld doch eines der klassischsten und einfachsten Bankprodukte, die es gibt – aber Einfachheit ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes.