Unternehmen

„Wir müssen vor Ort mehr Präsenz zeigen“

Warum Eventbrite, ein US-Start-up für Veranstaltungen, ein Büro in Berlin eröffnet

Mit Eventbrite können Organisatoren von Veranstaltungen aller Art online Tickets verkaufen. Jetzt eröffnet das US-Unternehmen in Berlin ein erstes Büro in Deutschland. Neuer Marketingmanager wird Sandro Spiess, bis vor Kurzem noch Marketingleiter bei Xing Events in München. Der Eventbrite-Mitgründer und Technologiechef Renaud Visage erläutert die Hintergründe der Internationalisierung.

Berliner Morgenpost:

Eventbrite kommt nach Berlin. Was können Sie hier besser erreichen als aus San Francisco?

Renaud Visage:

Vor knapp zwei Jahren haben wir unsere deutschsprachige Seite live geschaltet. Wir haben uns seitdem mit vielen Veranstaltern in ganz Deutschland zusammengesetzt und dabei eine Menge gelernt, unter anderem, dass wir vor Ort mehr Präsenz zeigen müssen. Berlin wird unser erstes Büro im nicht englischsprachigen Ausland sein, und einer unserer Sales Manager sitzt in München. Lokale Communitymanager sollen Organisatoren und Besucher von Veranstaltungen zusammenbringen.

Wie entwickelt sich ihr internationales Geschäft?

Das Geschäft in den wichtigsten Ländern Europas entwickelt sich ziemlich gut. Es kamen einige interessante Organisatoren an Bord, die Berlin Games Week, die wichtigsten europäischen Techkonferenzen wie Tech Open Air, TechCrunch Disrupt und das Pioneers Festival in Wien sind bei uns oder die Berlin Music Week. Es ist uns gelungen, von Organisatoren wahrgenommen zu werden.

Als sie Eventbrite 2006 mit Julia und Kevin Hartz gegründet haben, was war da anders als heute?

Da gab es eine Menge Unterschiede – schon in technologischer Hinsicht: Das war noch vor dem ersten iPhone! Und soziale Netzwerke wie Facebook waren gerade erst aus den US-Universitäten herausgewachsen. Das hat die Art, wie Leute Events konsumieren, total verändert. Soziale Netzwerke spielten zunehmend eine Rolle beim Entdecken von Events.

In der Techszene sind Sie beliebt, aber im Mainstream der Eventbranche sind Sie noch nicht angekommen.

Wir sind aus dem Nichts entstanden und überall wo wir gelauncht haben, hat zunächst die Techszene unser Angebot bereitwillig aufgenommen, weil sie für neue Technologien aufgeschlossen ist. Als wir wuchsen, kamen andere Typen von Events dazu: Musik, Konferenzen, Kino und Festivals. Auch in Deutschland wird das auf andere Branchen übergreifen. In Großbritannien zum Beispiel wachsen wir deutlich bei Festivalevents aller Art.

Sie haben insgesamt 200 Millionen Dollar eingesammelt – auch die Berliner Samwer-Brüder haben in Eventbrite investiert. Ist ein Börsengang denkbar?

Dass wir irgendwann an die Börse gehen werden, steht außer Frage. Wir haben dabei allerdings keine Eile. Zunächst bemühen wir uns, das bestmögliche Geschäft aufzubauen und weiter zu wachsen. Wir haben ein nachhaltiges Geschäftsmodell mit klaren Erlöspfaden. Weltweit haben Veranstalter im vergangenen Jahr Tickets im Wert von rund 1,5 Milliarden US-Dollar über Eventbrite verkauft.