Verpackungsbranche

Mehr Luft als Produkt verschickt

In Versandkartons steckt oft wenig Ware. Das muss nicht schlecht sein

Riesige Pakete mit wenig Inhalt und anschließend ein großer Berg leerer Kartons: Mit dem zunehmenden Onlinehandel wächst auch die Verpackungsflut und sorgt bei vielen Kunden für Verdruss. Doch ein Ende der Flut ist aus Sicht von Experten nicht in Sicht. Im Gegenteil – der Siegeszug des Pappkartons scheint kaum zu stoppen. Große Pakete für ein kleines Produkt müssen aus Sicht der Logistik-Branche nicht immer ein Fehler sein, sagt Michael Böhmer vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Gefragt sei vielmehr eine gute Stapelbarkeit der Pakete beim Transport.

Hinzu kämen Kostenersparnisse bei der Einrichtung der Verpackungsmaschinen und beim Einkauf der Kartons in großen Stückzahlen, so Logistik-Experte Ingmar Böckmann vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland. „Da ist es günstiger, Luft zu verschicken, als Kartonagen anders zu dimensionieren“, sagt er. Schätzungen zufolge sind Pakete im Onlinehandel im Durchschnitt etwa zur Hälfte gefüllt. In Extremfällen wie etwa beim Versand von Ersatzteilen kann der Warenanteil aber auch bis auf etwa ein Prozent schrumpfen.

Für die Versender bedeute dies zusätzliche Kosten beim Ausstopfen der Pakete mit Füllmaterial. Neben Billigvarianten wie geknülltem Papier werde auch hochwertiger Schaum eingesetzt – etwa beim Versand von teuren Bauteilen für die Industrie, sagt Böhmer. Für den Empfänger bedeutet das Wühlen nach der bestellten Ware häufig erst einmal Frust. „Der Kunde will wenig Verpackungsmaterial“, so der Experte. Mehr als sieben Millionen Tonnen Pappverpackungen werden in Deutschland verbraucht – allerdings nicht nur für den Onlinehandel. Experten sind sich einig über die seitdem steigende Tendenz. „Der Pappkarton wird das Verpackungsmaterial der Zukunft bleiben“, ist sich Böhmer sicher. Hintergrund seien die Vorteile des Traditionsprodukts: Die Kartons sind leicht, stabil und können gefaltet werden.

Ziel der Verpackungsbranche ist es nun, die Kartons zu optimieren: Während die Dortmunder Forscher mit Sturzversuchen die Belastbarkeit testen, ist die Nutzung der Kartons als Werbefläche für viele Händler bereits Realität. Nach einer Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung nutzt fast jeder dritte Onlinehändler die Kartons zur Kommunikation.

Doch es gibt auch Alternativen. Mode für junge Kunden wird mitunter in Beuteln verschickt. Auch im Onlinehandel mit Lebensmitteln werden bereits verstärkt Mehrwegverpackungen eingesetzt. So bietet ein großer Onlinehändler für Lebensmittel-Lieferungen mittlerweile eine Kunststoffbox mit darin aufgehängten Einkaufstüten an, die vom Kurier direkt dem Kunden übergeben werden. Die nicht mehr benötigte Box wird von dem Boten anschließend wieder mitgenommen.