Gründerzeit

Nie mehr nach dem Hausschlüssel suchen

Jürgen Stüber über das Hardware-Start-up Kiwi.ki, dem jetzt sogar die Berliner Feuerwehr vertraut

Man steht vor der Haustür, beide Hände voll bepackt und fragt sich: Wo ist der Schlüssel? Auch Müllmänner und Postboten kennen das Problem: Im besten Fall haben sie riesige Schlüsselbunde dabei. Ansonsten klingeln sie, bis jemand öffnet. Doch das war gestern. Das Berliner Start-up Kiwi.ki hat eine Lösung.

Knapp 1000 Eingangstüren von Wohngebäuden in Berlin sind bereits mit dem schlüssellosen Zugangssystem ausgestattet. Jetzt testet auch die Berliner Feuerwehr diese neuartige Technologie. Das Pilotprojekt startet in der Wache Prenzlauer Berg, in deren Bereich sich 200 der knapp 1000 berlinweit bereits mit Kiwi.ki ausgestatteten Hauseingangstüren von Mehrfamilienhäusern befinden.

„Als Feuerwehr versprechen wir uns hier einen Zeitgewinn von bis zu mehreren Minuten“, erklärt Sven Gerling von der Berliner Feuerwehr. Insbesondere bei Bränden müsse niemand durch verrauchte Treppenhäuser gehen, um die Einsatzkräfte an den Brandherd gelangen zu lassen. „Eine gewaltsame Öffnung ist nicht mehr nötig, was Reparaturschäden verringert“, sagt Sven Gerling weiter.

„Kiwi wird bereits von großen Firmen wie der Deutschen Post, der Alba Group sowie Berlin Recycling genutzt“, sagt Christian Bogatu, Mitgründer und Geschäftsführer des Unternehmens. Die Post setzt das Zugangssystem schon in 21 Zustellbezirken ein.

Kiwi.ki besteht aus zwei Teilen: Der eine ist ein Transponder, den ein Mieter oder eine andere berechtigte Person in der Tasche trägt, vergleichbar ist das Gerät mit einem Funk-Autoschlüssel. Der andere ist ein Sensor, der den elektrischen Öffner an der Gebäudetür steuert. Nähert sich der Transponder dem Sender auf eine Distanz von weniger als drei Metern, wird der elektrische Türöffner für 30 Sekunden aktiv – das ist ausreichend Zeit, um die Tür zu öffnen. Eine Codierung stellt zudem sicher, dass nur berechtigte Transponder Türen öffnen können.

Kiwi.ki hat für das Jahr 2015 große Pläne. Monatlich sollen etwa 500 Mehrfamilienhäuser mit dem System ausgestattet werden. Dabei arbeitet Kiwi.ki mit Wohnungsbaugesellschaften wie der Gesobau zusammen.

Das Berliner Start-up legt bei der Einführung der neuen Technologie großen Wert auf Sicherheit. Jeder Transponder verfügt über einen einzigartigen Code, der über Zufallszahlen generiert wird. Kryptologie-Experten und eigens zu Testzwecken engagierte Hacker hätten die Technologie geprüft, versichert das Unternehmen.

Auch würden keine Persönlichkeitsprofile von Nutzern erstellt. Alle Daten liegen nach Angaben des Unternehmens auf Servern in Deutschland und unterliegen deshalb deutschem Datenschutzrecht. Made in Germany gilt auch für die Hardware: Produziert wird nach Firmenangaben in Berlin und in Süddeutschland.

Pro Haustür kostet der elektronische Türöffner 399 Euro. Die Einrichtung des Funksenders schlägt mit 25 Euro zu Buche. Die monatliche Nutzungsgebühr des Transponders beläuft sich für den Verbraucher auf drei Euro.

Das Berliner Unternehmen wurde im Februar 2012 von den früheren Unternehmensberatern und Sicherheitstechnik-Spezialisten Claudia Nagel und Christian Bogatu sowie dem Juristen Peter Dietrich gegründet. Es beschäftigt heute ein Team von 27 Mitarbeitern.