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Berlin im Visier

Der chinesische Investor Wang baut ein Imperium in der Unterhaltungsindustrie auf. Interessant ist für ihn auch Europa

Als die Artisten in die Tiefe springen, halten 2000 Zuschauer im Varieté-Theater „Han-Show“ in der Flussstadt Wuhan den Atem an. Unter ihnen sind abgebrühte Profis wie Chinas berühmter Regisseur Zhang Yimo, milliardenschwere Unternehmer und ausländische Diplomaten wie der ehemalige US-Handelsminister und Ex-Botschafter in Peking Gary Locke. Er ist Berater für Gastgeber Wang Jianlin, Chef des Immobilienriesen „Dalian Wanda“, der auch in den USA investiert und nun an die Börse geht.

Für 2,6 Milliarden Dollar kaufte sich Wanda, inzwischen Chinas größter Kinobetreiber, die amerikanische AMC-Kinokette und lässt gigantische Filmateliers und eine Kinostadt bei Qingdao an der Ostküste Chinas bauen. Die Varieté-Premiere in Wuhan am Jangtse ist für Wang Jianlin der Startschuss für seinen Eintritt in das Geschäft mit der Freizeit- und Kulturindustrie.

Konzern auf neuem Kurs

Dank Urbanisierung und des immer besser lebenden Mittelstands sei China reif dafür, ist der zweitreichste Unternehmer des Landes überzeugt. Vier weitere solcher Großtheater plant Wang Jianlin in anderen Städten bereits. Fast eine halbe Milliarde Euro haben der Bau des 72 Meter hohen Theaters, dessen Außenform einem nachts rot leuchtenden chinesischen Lampion gleicht, und die 100 Minuten dauernde Inszenierung mit chinesischen und internationalen Tänzern gekostet.

Nach den einschlägigen Reichen-Listen von Forbes bis zu Shanghais Hurun kann sich Wang, dem mit Sohn und Frau der Multimilliardenkonzern Wanda gehört, das auch leisten. Er selbst kommt auf ein Familienvermögen von 145 Milliarden Yuan (18 Milliarden Euro). Wang sammelt Kunst. In die Han-Show investiert er aber nicht als Mäzen, sondern als Geschäftsmann. „Kultur ist für mich ein neues Businessfeld, mit dem ich Geld verdienen will“, sagt der 60-Jährige.

120.000 Menschen arbeiten für seine Gruppe. Jetzt müsse sich der Konzern „innovativ erneuern“. Der Zug fahre in eine neue Richtung, in die Bereiche Kulturindustrie, Tourismus, Finanzen und E-Commerce, und Wanda müsse ihn lenken. „Wir haben sehr klare Pläne dazu und werden sie am 17. Januar bekannt geben“, erklärt der Chef. Bis dahin verrät Großinvestor Wangschon mal, dass er sein Immobilien-Imperium, seine derzeit 107 Großeinkaufszentren (Wanda Plaza), 72 Fünf-Sterne Luxushotels, 100 Karaoke-Zentren und Kinoketten, zum ersten integrierten chinesischen Konzern für die Freizeitindustrie umbauen wird. Wanda solle eine echte „Weltmarke“ werden.

„Ich will mit Wanda 2020 auf 100 Milliarden US-Dollar Umsatz kommen und davon 20 bis 30 Prozent im Ausland erzielen, mindestens 20 Milliarden Dollar“, nennt er der „Welt“ seine Zukunftsziele. Er unterhalte Kooperationen mit den USA, Australien, mit Madrid und London, wo er in mehrere spektakuläre Hotel- und Appartmentbauten investierte und für etwa 1,6 Milliarden Dollar den britischen Yacht-Hersteller Sunseeker International Ltd. kaufte. Wang will die Boote für seine Freizeitressorts am Meer beziehen, etwa für seine als „Chinas Hollywood“ geplante Filmstadt Qingdao und ihr Ferienressort an der Küste. Sechs Milliarden Euro investiert er in den gigantischen Ausbau, der 2017 fertig sein soll. Als nächste Außenstationen in Europa stehen Paris und die deutsche Hauptstadt an: „Ich bin gerade dabei, das Terrain in Berlin zu sondieren.“

Duell der Milliardäre

Nun besorgt sich der Großunternehmer auf dem Aktienmarkt in Hongkong Kapital und will damit auch seinen 2013 verliehenen Titel, der Reichste unter allen Chinesen zu sein, zurückholen. Im September 2014 hatte ihn Ma Yun (Jack Ma) von der Alibaba-Gruppe entthront. Der Betreiber gigantischer Online-Kaufhäuser mit Umsätzen, an die weltweite Konkurrenten wie Amazon oder Ebay nicht einmal gemeinsam herankommen, schlug mit seinem 25-Milliarden-Dollar Börsengang in New York alle anderen aus dem Feld.

Wang folgt ihm nun mit seiner „Dalian-Wanda Commercial Properties“, dem ersten inländischen Zweig seines Konzerns. Den brachte er jetzt an die Hongkonger Börse. 3,7 Milliarden US-Dollar sind Wang bereits sicher, weil fast zwei Drittel der ausgegebenen Aktien fest in der Hand strategischer Anker-Investoren sind. Sie haben die „Dalian Wanda Commercial Properties“ zur zweitwertvollsten Immobiliengruppe der Welt hinter der US-Simon Property Gruppe gemacht. Das letzte Drittel der 600 Millionen in den Verkauf kommenden Anteile wird frei gehandelt.

„Das wird spannend“, so Rupert Hoogewerf, Herausgeber der Hurun-Reichenliste, der Berliner Morgenpost. Wenn die Wanda-Papiere 35 Prozent über ihrem Ausgabekurs von 48 Hongkong-Dollar steigen, reicht der erhöhte Marktwert, um Wang wieder zur Nummer Eins auf der Liste zu machen. Vom Duell der Milliardäre will Wang nichts wissen. Die Frage, ob Ma Yun sein Konkurrent ist, weist er zurück. „Nein, wir sind Freunde.“ Dann lässt er erkennen, dass er Ma für einen Überflieger ohne Bodenhaftung hält. „Wir bleiben dabei, Schritt um Schritt zu gehen.“