Flugsicherheit

Waffen am Flughafen Frankfurt durchgeschleust

Prüfbericht sieht große Sicherheitsmängel. Mitarbeiter werden nachgeschult. Tests in Berlin verlaufen „überwiegend positiv“

Bei verdeckten Kontrollen am größten deutschen Flughafen in Frankfurt hat die EU-Kommission brisante Sicherheitsrisiken entdeckt. Den Prüfern sei es bei jedem zweiten Versuch gelungen, Waffen oder andere gefährliche Gegenstände durch die Passagierkontrolle zu schmuggeln, berichtete die „Bild am Sonntag“. Als Hauptgrund für die Probleme nenne der geheime Prüfbericht schlecht geschultes Personal der beauftragten Dienstleister. So hätten die Mitarbeiter etwa die Röntgenbilder bei den Handgepäck-Kontrollen nicht richtig deuten können.

Die EU-Kommission bestätigte regelmäßige Sicherheitstests an Europas Flughäfen. Der Sprecher in Brüssel wollte die Ergebnisse einzelner Flughäfen aber nicht kommentieren. Die Flughafengesellschaft Fraport erklärte, dass Frankfurt wie auch einige andere europäische Airports zu Nachbesserungen bei der Sicherheit aufgefordert worden seien. Ein Vertreter des Frankfurter Flughafens sagte der „BamS“, dass derzeit 2500 Mitarbeiter neu geschult würden, damit verdächtige Gegenstände nicht mehr die Kontrollen passieren könnten. „Wir nehmen das sehr ernst.“ Arbeitsrechtliche Konsequenzen solle es vorerst nicht geben.

Ein Sprecher der Bundespolizei betonte: „Wir haben Sofortmaßnahmen eingeleitet, um die Sicherheit der Passagiere wieder zu gewährleisten.“ Das erkläre auch die gegenwärtig längeren Wartezeiten. Der Sprecher der EU-Kommission erläuterte, sollten die Tests Sicherheitsmängel aufzeigen, müssten die Staaten dafür sorgen, dass nachgebessert werde und Mängel schnell beseitigt würden. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigte die Flughafengesellschaft Fraport, dass Frankfurt wie auch einige andere europäische Airports zu Nachbesserungen bei der Sicherheit aufgefordert worden seien. Fraport-Sprecher Christopher Holschier sagte der dpa, zwei Firmen kontrollierten die Passagiere am Frankfurter Airport: I-SEC und die Flughafengesellschaft selbst. Allein bei Fraport sei eine Nachschulung von 2500 Mitarbeitern eingeleitet worden. Die Trainer seien auch verstärkt bei den Kontrollen selbst dabei. Arbeitsrechtliche Konsequenzen seien derzeit aber nicht vorgesehen.

Die Bundespolizei mache mehrmals im Monat unangekündigt und verdeckt sogenannte Realtests, damit Fehler erkannt und abgestellt werden könnten. „Die Ergebnisse werden nicht öffentlich gemacht“, sagte Fraport-Sprecher Holschier. In deutlich größeren Abständen gebe es auch auf nationaler und EU-Ebene solche Kontrollen der Kontrollen. Für die Schulung des Personals sind nach Holschiers Worten 196 Stunden vorgeschrieben. Die Bundespolizei formuliere die Anforderungen und nehme den Abschlusstest ab. Die neuen Nachschulungen dauerten acht bis zehn Stunden.

Dem Bericht zufolge droht die EU-Kommission damit, den Flughafen als „Non-Schengen-Airport“ einzustufen, sollten die Maßnahmen nicht greifen. Dann müssten sich Flugreisende in Frankfurt bei der Einreise in andere EU-Länder einer erneuten Sicherheitskontrolle unterziehen. Anfang 2014 hatte der Frankfurter Flughafenchef Stefan Schulte noch gesagt, neue Technik könnte die Kontrollen beschleunigen und angenehmer machen. Dabei bezog er sich etwa auf neuartige Körperscanner, die auch nicht-metallische, potenziell gefährliche Gegenstände erkennen könnten und das Abtasten von Passagieren unnötig machen würden. Langfristig könne man auch über abgestufte Passagierkontrollen nachdenken, ergänzte Schulte seinerzeit. Dabei würden sich Passagiere zum Beispiel vorab freiwillig einer tiefer gehenden Überprüfung ihrer persönlichen Daten unterziehen, so dass die Kontrollen am Flughafen entsprechend weniger umfangreich ausfallen könnten.

Bundespolizei kontrolliert in Berlin

Der Sprecher der Berliner Flughafengesellschaft, Ralf Kunkel, äußerte sich am Sonntag nicht zu der Frage, ob es auf den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld schon einmal solche Kontrollen der EU-Kommission gegeben habe. Kunkel verwies auf die Zuständigkeit der Bundespolizei. Die Behörde bestätigte, dass sie auch in Tegel und Schönefeld in regelmäßigen Intervallen Realtests durchführe. Zur Anzahl sagte Ivo Priebe, Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam, diese liege im „zweistelligen Bereich pro Jahr und Flughafen“. Die Ergebnisse seien überwiegend positiv. Sei dies einmal nicht der Fall, würden die Ergebnisse sofort mit den Verantwortlichen der Sicherheitsdienstleister ausgewertet. Die betroffenen Mitarbeiter würden dann umgehend nachgeschult.

Wie die Tests der Bundespolizei genau ablaufen, wollte die Bundespolizei aus Sicherheitsgründen nicht verraten. Es hieß aber, man gehe ähnlich vor wie die Mitarbeiter der EU-Kommission. Ob es in Tegel oder Schönefeld schon einmal Kontrolltests der EU-Kommission gegeben habe, konnte Priebe am Sonntag nicht ermitteln. Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus Luftfahrtkreisen war dies bislang nicht der Fall. Solche Versäumnisse wie in Frankfurt seien in Tegel und Schönefeld bislang nicht bekannt geworden, hieß es weiter. Die Privatisierung von Sicherheitsaufgaben und der Einsatz von Billigkräften seien grundsätzlich problematisch.