Gründerzeit

Bilder bearbeiten fast wie ein Profi

Jürgen Stüber über die Berliner Fotocommunity EyeEm und die dazugehörige App. Mit der neuen Version 5.0 nähert sie sich den großen Vorläufern wie Instagram an

Der Berliner Foto-Marktplatz EyeEm bietet mit der Version 5.0 seinen Nutzern neue Möglichkeiten, Bilder zu bearbeiten. Neu ist auch die Funktion Open Edit. Mit ihr lässt sich anzeigen, mit welchen Techniken andere Fotografen ihre EyeEm-Bilder bearbeitet haben. Dieser Prozess lässt sich dann mit einem einfachen Klick auf die eigenen Bilder anwenden.

Bereits die vorige Version der Foto-App wies in diese Richtung. Die Entwickler integrierten einen Belichtungsregler und Autofokus in die App – das waren neue Möglichkeiten des aktuellen iOS-Betriebssystems. Was wären die Foto-Apps ohne Filter? Nicht viel. Die App Hipstamatic versuchte ab 2009, iPhone-Fotos möglichst analog aussehen zu lassen. Wer in den damals noch jungen sozialen Netzwerken hip sein wollte, kam um das ungefähr einen Euro teure Programm nicht herum. Es produzierte Fotografien in nostalgischer Anmutung, wie man sie von den gleichnamigen Plastikkameras der 80er-Jahre kannte. In Branchenblogs kursiert die Zahl von 1,4 Millionen Downloads bis November 2010, was in der damaligen Zeit viel war.

Nachdem der Fotograf Damon Winter von der New York Times für seine Hipstamatic-Bilder aus dem Afghanistan-Krieg beim begehrten Fotojournalisten-Wettbewerb „Pictures of the Year International“ ausgezeichnet wurde, entfachte sich eine Debatte, ob das Verfremden von Bildern in der Presse zulässig sei. Pulitzer-Preisträger Winter hatte mit seiner Arbeit zur Etablierung einer neuen Kunstform beigetragen. Das gelang schließlich mit Instagram. Diese Plattform ging drei Monate nach Hipstamatic an den Start.

Die Idee war ein soziales Netzwerk für Schnappschüsse. Instagram perfektionierte mit immer neuen Filtern die Möglichkeit, Smartphone-Fotos zu verfremden, hielt damit ihre Fans bei Laune und erreichte innerhalb von vier Jahren eine monatliche Nutzerzahl von mehr als 300 Millionen.

Die Fotoplattform EyeEm, die ein Jahr nach Instagram 2011 in den Appstore kam, entsagte sich weitgehend dem Filterwahn der Mitbewerber. Flo Meissner und seine Mitgründer waren und sind eher von einem künstlerischen Anspruch getrieben und wollten dem neuen Genre der Fotografie mit Mobiltelefonen ein Forum bieten. Sie wollten den Zeitgeist und die Ästhetik der Generation iPhone ungeschminkt wiedergeben. Filter waren da Beiwerk. Das Feedback aus der Community brachte eine Wende. „Die Nutzer haben sich mehr Editierfunktionen gewünscht. Und wir sind mit dem neuen Release darauf eingegangen“, sagte ein Sprecher. Möglich war das durch den technischen Fortschritt bei den Smartphone-Kameras und den damit verbundenen Einstell-Optionen.

Die neue EyeEm-App 5.0 bietet vier Einstellmöglichkeiten an (Kontrast, Belichtung, Farbtemperatur und Sättigung), die stufenlos angepasst werden können. Ferner gibt es eine Schaltfläche für die Bildoptimierung, eine Beschneidefunktion und 24 Filter mit einstellbaren Intensitäten. Damit schließt die Funktionalität der App zu dem von Instagram gesetzten Standard auf und nähert sich beim Funktionsumfang mobilen Bildbearbeitungsprogrammen wie Camera+ an.

Die faszinierende Open Edit-Funktion ist zum einen als Spielerei gedacht, zum anderen als Werkzeug für Fotografen, die das Bearbeiten von Bildern lernen oder perfektionieren wollen. Ein Klick – und vorhandene Filtereinstellungen werden auf ein Bild aus der eigenen Bibliothek angewendet.