Gründerzeit

Einfach nur zuhören statt selber lesen

Jürgen Stüber über den neuen Audio-Dienst des Start-ups Blinkist, der Buchzusammenfassungen liefert

Audio-Podcasts erleben in letzter Zeit eine gewisse Renaissance. Das beste Beispiel dafür ist die im Oktober 2014 gestartete Kooperation des Kurznachrichtendienstes Twitter und der Musikplattform SoundCloud. Seitdem können in der Twitter-App mit einem einzigen Klick SoundCloud-Stücke abgespielt werden. Jetzt startet auch die Lese-App Blinkist für Mobiltelefone einen Audio-Dienst. Was Nutzer bislang nur lesen konnten, wird künftig vorgelesen.

Das Berliner Unternehmen Blinkist bietet seit seinem Start im Januar 2013 eine App an, die Zusammenfassungen von Sachbüchern präsentiert. Lange Kapitel werden auf wenige Merksätze reduziert, so genannte Blinks. Das spart dem gestressten Großstadtmenschen Zeit, er lernt etwas und kann sich auf Partys als belesen präsentieren. Der Inhalt eines durchschnittlichen Sachbuches kann durch das Lesen der Blinks in einer Viertelstunde vermittelt werden.

500 Titel hat das Unternehmen bereits auf diese Weise aufbereitet. Die Plattform hat 200.000 Leser und insgesamt zwei Millionen Buch-Downloads registriert. Damit hat sich die Zahl der Downloads binnen sechs Monaten verdoppelt.

Blinkist will den Konsum seiner Literatur noch einfacher machen und hat deswegen seine Plattform um einen Audio-Dienst erweitert. Die Blinks werden künftig vorgelesen und sind deshalb für mobile Menschen unterwegs leichter konsumierbar. Das sind genau die Kunden von Blinkist, die jeden Werktag im Durchschnitt eine knappe halbe Stunde zu Arbeit fahren (Pendler-Studie des Personaldienstleisters Regus) und in dieser Zeit rechnerisch täglich zwei Bücher konsumieren könnten.

Bisher galt Blinkist als Bezahl-App, was den Gründern wegen des hochwertigen Inhalts wichtig war. Entgegen der früheren Prinzipien weichen sie dieses Konzept mit der Einführung eines Freemium-Modells auf, um mehr Kunden anzusprechen und schneller wachsen zu können. Das Startup öffnet seine Bibliothek auch für nicht-zahlende Nutzer, die ab sofort ein Buch pro Tag kostenfrei lesen können. Zahlende Nutzer (69,99 Euro/Jahr) haben dagegen unbegrenzten Zugang zu der Bibliothek, die monatlich um 40 Neuerscheinungen wächst.

Auch mit ihrem neuen digitalen Magazin page19.com wollen die Gründer Aufmerksamkeit gewinnen und für die Inhalte ihrer Plattform werben. In dem Blog finden sich kurze Abhandlungen in englischer Sprache, die thematisch zu den „verblinkten“ Büchern passen.

Beliebt sind bei Blinkist Titel, die moderne Lebenshilfe versprechen. Die Top Fünf der beliebtesten Fachbücher sind: Getting Things Done, The 80/20 Principle, Emotional Intelligence, How to win Friends and Influence People sowie Thinking Fast and Slow.

Der Service wurde im Jahr 2012 von Tobias Balling, Niklas Jansen, Sebastian Klein und Holger Seim in Berlin gegründet und bietet Apps für iOS, Android, Kindle und Web.

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