Partnerschaft

Air Berlin ist nicht arabisch

Luftfahrtbundesamt genehmigt Einstieg von Etihad. Landerechte in Europa gesichert

Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin kann trotz des Einstiegs der arabischen Airline Etihad weiter auf seine Luftverkehrsrechte in Europa bauen. Die Beteiligung von Etihad sei unter Auflagen genehmigt worden, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Donnerstag in Berlin. Das Luftfahrtbundesamt werde einen entsprechenden Bescheid in Kürze versenden. Ein Air-Berlin-Sprecher zeigte sich nicht überrascht: „Damit haben sich unsere bisherigen Aussagen, dass Air Berlin innerhalb aller gesetzlicher Regularien operiert, bestätigt“, sagte er.

Für Air Berlin ist die Anerkennung als europäische Gesellschaft überlebenswichtig, da davon Landerechte abhängen. Bei einem Nein der Regierung wäre es für Air Berlin aus Sicht von Experten eng geworden: Der Lufthansa-Konkurrent hätte seine deutsche Betriebsgenehmigung und die Anflugrechte für Deutschland und Europa verloren. Die meisten Strecken hätten wohl eingestellt werden müssen.

Das Luftfahrtbundesamt war der Frage nachgegangen, ob die Araber die zweitgrößte deutsche Airline beherrschen. Die Staatslinie aus Abu Dhabi hatte ihren Anteil an Air Berlin zuletzt 2012 auf 29,2 Prozent aufgestockt und die Airline überdies finanziell mit Wandelanleihen in Höhe von 300 Millionen Euro und dem Ankauf des Bonusprogramms gerettet. Insgesamt haben die Araber bereits mehr als 800 Millionen Euro in die Berliner Fluggesellschaft investiert.

Ohne die Hilfen stünde Air Berlin vor dem Aus. Das Unternehmen steckt wegen eines übereilten Expansionskurses tief in der Krise und hat in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne geschrieben. Die bisherigen Sanierungsbemühungen wechselnder Vorstände haben daran nicht viel geändert. Ab Februar nächsten Jahres soll der frühere Thomas-Cook-Chef und Airline-Sanierer Stefan Pichler die Fluggesellschaft zurück in die schwarzen Zahlen bringen.

Im Gegenzug für die finanziellen Hilfen für Air Berlin hat sich die staatliche Airline vom Persischen Golf einen besseren Zugang zum deutschen Markt gesichert. Denn neben den vier Flughäfen hierzulande, die die Araber selbst anfliegen dürfen, wird Air Berlin für weitere Zubringerflüge zum Etihad-Drehkreuz Abu Dhabi eingespannt, etwa von Berlin und Stuttgart.

Das Amt hat schon länger ein kritisches Auge auf die Partnerschaft: Zuletzt hatte es Ärger wegen der sogenannten Codeshare-Abkommen gegeben. Beim Codeshare bietet eine Fluggesellschaft Flüge mit Umsteigen an, bedient selbst aber nicht alle Teilstrecken, sondern lässt sie von Partnern fliegen. Das Luftfahrtbundesamt hatte Etihad die Hälfte der 68 angemeldeten Codeshares mit Air Berlin zunächst untersagt, dann aber doch genehmigt, nachdem Air Berlin mit Klage drohte. Derzeit verhandeln Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate über eine Änderung des gemeinsamen Luftverkehrsabkommens.

Luftfahrtkreise hatten hinter dem Verbot den Druck von Politikern aus Ländern mit großen Standorten des Konkurrenten Lufthansa vermutet. Dagegen machte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für Air Berlin stark.

Zu den Behörden-Auflagen für Air Berlin zählt nach Angaben aus Branchenkreisen nun unter anderem, dass im Aufsichtsgremium von Air Berlin mehrheitlich EU-Bürger sitzen müssen. Die Sitzungsprotokolle dort müssten zudem ohne geschwärzte Stellen dem Luftfahrtbundesamt vorgelegt werden.

Am Wohl Air Berlins hängt auch ein guter Teil der Zukunft des Berliner Flughafens BER. Bereits jetzt ist die Fluggesellschaft mit rund 50 Prozent Marktanteil der größte Kunde am Flughafen Tegel. Und die Präsenz sollte am BER noch ausgebaut werden. Und das Flughafenkonzept wiederum baut auf eine große, starke Fluggesellschaft, die den BER als Heimatbasis sieht, vor.